Wir sind elektrisch! Die neuen E-Book-Verlage zwischen Hype und Hoffnung

Die Buchmesse ist elektrisch © Clarissa Niermann

Die Buchmesse ist elektrisch
© Clarissa Niermann

In seiner Anfangsphase war der Hype ums E-Book groß. Die Euphorie ist heute abgeklungen, aber vielleicht einer gewissen Stabilität gewichen? Unter dem Titel „Wir sind elektrisch!“ diskutierten am Messe-Donnerstag die E-Book Verleger Christiane Frohmann, Beate Kuckertz, Wolfgang Farkas sowie der Autor und Internetunternehmer Sascha Lobo über Vor- und Nachteile des E-Publishings und die Zukunft des E-Books. Souverän moderiert wurde das Ganze von Felicitas von Lovenberg (FAZ), die aber auch anfangs zugeben musste, dass sie, obwohl ja als Feuilleton-Journalistin vom Fach, wenig von solchen Texten mitbekommt, die nur als E-Book veröffentlicht sind.

Eines der größten Probleme des E-Books ist, es für ein breiteres Publikum sichtbar zu machen. Gedruckte Bücher haben es da leichter. Sie liegen in Geschäften aus, man kann sie anschauen, in die Hand nehmen. E-Books müssen andere Wege finden, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die wichtigste Rolle spielt hierbei das Internet. Kuckertz, die mit ihrem 2012 gegründeten Dotbooks Verlag bereits große Erfolge verzeichnen kann, hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Print-Presse nicht für E-Books interessiert. Für ihren Verlag sind Blogger die wichtigsten Rezensenten geworden. Unverzichtbar fürs Marketing sind außerdem die sozialen Netzwerke, da sind sich alle Anwesenden einig. Twitter, Facebook, Newsletter: alle möglichen Internet-Kanäle werden genutzt. Auch die E-Mail ist nicht zu unterschätzen, weiß Sascha Lobo, besonders, wenn sie vom Autor selbst geschrieben wird. Da wird dann mal zum Literatur-Flashmob mit anschließendem Wein-Trinken in der Kneipe aufgerufen, wo sich Leser und Autor begegnen können. Lobo ist begeistert von solchen Events rund um ein E-Book. Der selbsternannte Internetunternehmer ist Mitbegründer des Internetportals „Sobooks“ („So“ steht für Social), auf dem Leser E-Books kaufen können und gleichzeitig auch die Möglichkeit haben, direkt im Buch Kommentare, Likes, Verlinkungen und anderes einzutragen und auf dem Portal online zu stellen. E-Publishing birgt ein großes Potential, das bisher nicht wirklich genutzt wurde. Lobo plädiert dafür, viel mehr zu experimentieren, nur so könne man weiterkommen. Das E-Book müsse sich weiterentwickeln, bisher sei es viel zu statisch gewesen und darum ist auch der anfangs erwartete große kommerzielle Erfolg ausgeblieben.

Die vielen Möglichkeiten, die das E-Book bietet, strahlen für Wolfgang Farkas eine reizvolle Leichtigkeit aus. Wenn man einen E-Book-Verlag aufbaut, habe man erst einmal keine Gründungskosten, so Farkas, es gebe kein Verlust-Risiko. Es können immer wieder neue Kooperationen mit Autoren und freien Lektoren entstehen und es gebe nicht mehr die ganz klassische verlegerische Instanz. Die festen Strukturen eines gedruckten Buches können in der Form des E-Books aufgelöst, es kann mit intermedialem Material gespielt werden. Im Netz findet gerade ein neues Ich-Gefühl statt, meint Christiane Frohmann. Neue Grenzen werden ausgetestet. So entsteht etwa über das Medium Twitter eine ganz neue unmittelbare Art des Schreibens, was auch die Literatur verändert. E-Books können auf solche Entwicklungen reagieren und sie Lesern näher bringen.
E-Publishing ist ein spannendes Thema, das nicht unterschätzt werden sollte. Wo es im Netz hingehen wird, ist kaum vorauszusehen. Aber um es in Sascha Lobos Worten zu sagen: „Vieles wird sich verändern und wir sollten diese Veränderungen mit freudigem Herzen umarmen!“

Marike Schnarr