„Wie viel digitales Know-How braucht die Buchbranche?“

Mittlerweile sind fast alle Lebensbereiche digitalisiert. Der Frage, wie viel „Digital“ in der Buchbranche nötig ist, stellten sich beim Karrieretag Buch + Medien am Freitag Albrecht Mangel (Open Publishing), Carmen Udina (dtv Verlagsgruppe), Anita Lüttenberger (Braumüller) und Michael Döschner-Apostolidis (Holtzbrinck ePublishing). In der interessanten und viele Einblicke gewährenden Diskussion stellte sich heraus, dass die meisten Arbeitsprozesse im Verlagswesen bereits digitalisiert sind – von der Arbeit mit dem Autor über den Arbeitsalltag, der häufig dezentral organisiert ist und das Home Office eine zunehmend wichtigere Rolle spielt, bis hin zu den Produkten.

Digitale Produkte als Zukunft?

Dabei muss die Frage geklärt werden, wie ein erzählerischer Inhalt an den Leser kommt – wie kann man ihn in seinen Gewohnheiten erreichen? Welche digitalen Verknüpfungspunkte gibt es? Neben dem E-Commerce, mit dem die Verlage schon einen hohen Umsatz erzielen, darf hierbei das eBook nicht unerwähnt bleiben. Aber auch in dieser Debatte wird klar, dass das eBook noch keinesfalls das analoge Buch vom Markt vertrieben hat, im Gegenteil, vor allem das Sachbuch digital gegenüber der Printversion schwach dasteht. Die Teilnehmer stellen gemeinsam fest, dass der digitale Kanal zum Kunden der wichtigste Punkt ist, die Produktform an sich eher nebensächlich ist. Dennoch haben einige Verlage, zB. dtv, verschiedene Formen von eBooks wie Sequels und Bundles ausprobiert, ebenfalls andere Cover als im Printbereich, da dieser einen entscheidenden Nachteil der digitalen Welt gegenüber hat: Er ist weitaus nicht so flexibel und schnell wie das digitale Angebot.

Beteiligung der Autoren

Spricht man von und über Verlagsarbeit, so lässt sich der Autor selbstverständlich als Thema nicht ausschließen. Auch hier gab es einen Wandel, viele Autoren bringen eigenständig Marketingstrategien und Vorschläge, wie ihr Werk zum Leser gelangen könnte, mit ein. Albrecht Mangel meint hierzu, dass Autoren gut eingebunden werden können – wenn diese es denn wollen. Es ist unerlässlich, dass die Websites der Autoren gepflegt sind und Facebook-Artikel auch über einen Mehrwert verfügen.

Zum Schluss der kurzweiligen Diskussionsrunde bat Kai Mühleck vom Börsenblatt die Teilnehmer, kurz ihre Lebensläufe wiederzugeben – wobei sich wieder einmal die vielen Wege ins Herz der Verlage gezeigt haben. So sind einige, zB Michael Döschner-Apostolidis und Carmen Udina, über den Weg von IT- und Beratungsfirmen wie Microsoft oder Boston Consulting gegangen, bis sie (wieder) zur Arbeit in den Verlag gekommen sind. Generell empfehlen alle, dass sowohl Neueinsteiger wie auch bereits längerfristig Beschäftigte keine Angst vor Technik haben sollten, genau so wenig wie vor Analysen, Prozessen und Strukturen. Neben dem digitalen Know-How, das trotz Titel bei dieser Veranstaltung nicht so zentral im Mittelpunkt stand wie erwartet, sollten Bewerber vor allem Offenheit für Neues, Interesse und im besten Fall Leidenschaft für diese schönste aller Branchen mitbringen.

Arbeit 4.0

Arbeiten 4.0 ist eine Aufforderung an uns alle, Themen neu zu buchstabieren“ – unter dieses Zitat des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau stellte sich diese Diskussionsrunde. Von der Moderatorin Monika Kolb wurde dabei kein Unterschied gemacht zwischen digitalen Produkten und digitalem Arbeiten – es war also ein buntes Durcheinander, in dem Stephanie Lange (Hugendubel), Jürgen Horbach (KV&H), Thomas Tacken (Holtzbrinck Buchverlage) und Susanne Hellmann (Dussmann) über die unvermeidlichen Excel-Listen der Abteilungen, die Vor- und Nachteile von Homeoffice und vor allem anderen über vlbtix, dem neuen digitalen Vorschausystem, sprachen. Es wurden sowohl die Vorteile dieses Systems wie schnellere Bestellmöglichkeiten, entfallender Papierstau und das Finden von unbekannten Titeln als auch die Nachteile besprochen, wobei die Verteidigung des Programms mehr Platz einnahm als die eigentlich interessantere Thematik der Veränderung der Arbeitswelt mitsamt den Ansprüchen der neuen Generation, die zunehmend auf Work-Life-Balance setzt. Deshalb sei hier auf die Nachwuchsumfrage der JVM hingewiesen, die ihr hier nachlesen könnt und Einblicke in die aktuelle Arbeitssituation gibt, versprochen!

Lisa Ebelt