Was ist nur los mit den Männern? – der dritte Tag der Lesungen

Bei all den „Events“ rund um den Bachmannpreis vom Wettschwimmen bis zu den Veranstaltungen am Lendhafen kommt man nichts so recht ans Schreiben. Und so sei es mir verziehen, dass ich den letzten Tag der Lesungen noch im Nachgang skizziere, da nämlich – so viel sei verraten – auch eine der Siegerinnen gelesen hat und weitere Texte dabei waren, die es sicher auch verdient haben.

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Entspanntes Public Viewing im Lendhafen © Clarissa Niermann

Gestern stellte sich die Jury reihum selbst die Frage, ob da mit dem männlichen Geschlecht irgendetwas nicht in Ordnung ist! Kastberger erkundigte sich, was mit den schweizer Männern, Keller, was mit dem österreichischen Mann und zum Schluss Jury Steiner, was mit den kroatischen Männern sei. Dabei bezog man sich auf Figuren ebenso wie auf Autoren sowie Jurymitglieder.

Die Diskussion um die Männer kam schon beim ersten Autoren des Tages und letzten männlichen Wettbewerbsteilnehmer in Gang. Bei der Kurzgeschichte des schweizer Autoren Jürgen Halter „Erwachen im 21. Jahrhundert“ handelt es sich um einen monumentalen Text auf der Suche nach Fragen und Antworten zu den großen philosophischen Themen der gegenwärtigen Zeit. Stefan Gmünder findet, die großen Themen wie Nanotechnologie und Neurophysiologie seien ganz locker in den Text eingebaut. Inwiefern der Text aber nun experimentell ist oder nicht einmal über die Romantik hinauskommt, darüber wurde sich die Jury nicht einig.

Anna Baar schrieb einen Erinnerungstext, der es schafft große politische und historische Ereignisse in Bezug auf Kroatien und Österreich suggestiv mit der Familiengeschichte eines heranwachsenden Teenagers zu verweben. In der Diskussion wurden Parallelen zu einstigen Gewinnerinnen des Bachmannpreises wie Haderlap und Petrowskaja gezogen, wobei Stefan Gmünder es sprachlich ganz anders aufgelöst sieht. Damit wurde dem Text schon eine große Qualität attestiert, wobei sich die Jury auch darin einig war, dass der Text bisweilen überinstrumentiert sei. Hildegard Keller freut sich trotzdem schon aufs Buch.

In der Affengeschichte „Oh, Schimmi“ von Teresa Präauer macht sich die Hauptfigur nicht nur metaphorisch, sondern ganz real zum Affen. Eine ungemein witzige Geschichte, der seitens Maike Fessmann Rhythmus und Geschwindigkeit attestiert wird. Inhaltlich gerät er in die Nähe von dem ein oder anderen Lied Peter Fox‘, spielt mit Zitaten Muhammed Alis und bedient sich lautlicher Mittel des Rap. Vielleicht funktioniert der Text auch deswegen so gut, weil es so schön nah am Trash ist.

In einen alten osteuropäischen Film versetzt fühlte sich Sandra Kegele bei der letzten Lesung des Wettbewerbs. Die „herrliche Satire“ (Hubert Winkels) „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ von Dana Grigorcea erzählt von dem Leben eines Rapineu, was in ein Stück rumänische Geschichte eingelassen ist und zum Beispiel mit dem Hinweis auf den Michael-Jackson-Poker nicht nur lustig ist, sondern eine „einzige Geschichte der Medienverfehlungen“ (Hubert Winkels) abbildet. Der Text, von dem sogar Klaus Kastberger noch 200 weitere Seiten lesen möchte, stellt sich der Frage nach Schuld und Unschuld.

Katharina Tummes