Vorsicht Familie? – Über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Imke Folkerts

Imke Folkerts

JVM meet: Imke Folkerts

Kinder  = „eine gefährliche Situation“?

Vor einigen Tagen las ich in dem Magazin „brand eins“ in einem Artikel von einer Frau, die sich wegen ihres Kindes gegen einen Karriereschritt entschieden hatte, dass dies „eine gefährliche Situation“ sei, „in vielen Unternehmen würde eine solche Absage einen Karriereknick oder gar das Ende bedeuten“. Das brachte mich zum Nachdenken und ich überlegte, wie ich dies in meinen dreißig Jahren in der Buchbranche erlebt habe. Ich selber habe keine Kinder, und wenn ich an meine Kolleginnen – sowohl in Buchhandlungen als auch Verlagen – zurückdenke, fallen mir spontan nur 2-3 ein, die Kinder haben. Und dies in einer  Branche mit einem hohen Frauenanteil und unabhängig von der Position im Unternehmen. Unausgesprochen gab es da die Gleichung berufstätig = kinderlos, was mir lange nicht einmal bewusst war.

Jahrzehntelang diskutiert kaum Fortschritte

Obwohl über das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf seit Jahrzehnten geredet wird, scheint es noch immer keine Lösungen zu geben, wie man es schafft, gleichzeitig berufstätig zu sein und eine Familie zu haben. Bisher werden kaum Möglichkeiten angeboten, den beruflichen Werdegang und die familiäre Planung gleichberechtigt zu verfolgen. Dies gilt sowohl für Männer als auch für Frauen und ebenso für unterschiedliche familiäre Situationen, da es häufig neben Kindern auch andere Angehörige zu betreuen gibt. In allen Situationen, in denen es gilt Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, wünscht man sich bestehende Regelungen, auf die man zurückgreifen kann.

Wer ist zuständig?

Hierbei ist nicht nur die Politik gefordert und genauso wenig es ist eine rein private Angelegenheit von Arbeitnehmern, Lösungen dafür zu finden, wie sich Familie und Arbeit miteinander verbinden lassen. Dies liegt auch im Interesse der Arbeitgeber und Unternehmen, da sich eine familienfreundliche Personalpolitik positiv auf die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse auswirkt. Sie ist ein wichtiges Kriterium bei der Arbeitsplatzwahl, beeinflusst die Motivation der Mitarbeiter positiv und führt zu geringeren Fehlzeiten und Krankheitsquoten. Sinkende Kosten und eine größere Produktivität sind die positiven Folgen für die Unternehmen.

Bitte mitdiskutieren!

Wie sehen die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Unternehmen der Branche aus? Gibt es diese überhaupt? Welche Erfahrungen machen Mitarbeiter und Unternehmen  mit familienfreundlicher Personalpolitik? Welche Best-Practice-Beispiele gibt es? Welche Anforderungen haben Mitarbeiter heute an ihren Arbeitsplatz?

Die BücherFrauen möchten eine branchenweite Diskussion über die Arbeitsbedingungen in der Buchbranche anstoßen und freuen sich über eine rege Beteiligung: Lasst uns Eure Meinung dazu wissen und erzählt uns von Euren Erfahrungen auf dem BücherFrauen-Blog!

Im Rahmen der Buchtage in Berlin (17.-19. Juni 2015) bietet die BücherFrauen-Vorsitzende Dr. Valeska Henze gemeinsam mit der Unternehmens- und Personalberaterin Ellen Braun am 18.6. einen Workshop unter dem Titel „Vorsicht Familie?“ zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf  an.

 

Links:

 

Imke Folkerts, Jahrgang 1964, ist gelernte Buchhändlerin und Buchhandelsfachwirtin und hat nach verschiedenen Stationen im Buchhandel zuletzt 15 Jahre als Verlagsvertreterin gearbeitet. Nach dem Bachelorabschluss absolviert sie momentan den Masterstudiengang Buch- und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie ist Pressesprecherin der BücherFrauen.