Vom Autor zum Selbstverleger: Selfpublisher professionalisieren sich

Selfpublisher hatten lange Zeit den Ruf, Autoren zu sein, deren Büchern es an Qualität mangelt und die es darum auch nicht in einen Verlag geschafft haben. Das hat sich geändert. Selfpublisher sind professioneller geworden. Mittlerweile gibt es viele Bestseller, die im Selbstverlag entstanden sind. Auch auf der Leipziger Buchmesse ist Selfpublishing zum wichtigen Thema geworden: Selfpublisher-Portale und -Autoren sind zahlreich und mit großen Ständen vertreten.

Es gibt mittlerweile immer mehr Autoren, die sich bei jedem ihrer Projekte genau überlegen, ob sie es in einem Verlag veröffentlichen wollen oder über den Weg des Selfpublishing, meint der Schriftsteller Karl Olsberg. Der Selbstverlag hat für den Autor den Vorteil, dass er sein eigener Herr und deutlich flexibler ist. Manches ist bei einem Verlag schwieriger zu realisieren. Da ist es etwa problematisch, wenn ein Buch einen besonders geringen oder extrem hohen Seitenumfang hat. Schwierig wird es auch, wenn es schnell gehen soll. Verlage haben feste Veröffentlichungsrhythmen, dazu kommt eine Vorlaufzeit von mindestens anderthalb Jahren. Wenn man etwas innerhalb weniger Wochen veröffentlichen will, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als es selber zu tun.

Olsberg hat seine Autorenlaufbahn im klassischen Verlag begonnen und veröffentlicht erfolgreich Thriller-Romane im Berlin Verlag. Parallel schreibt er aber auch Bücher zu dem Computerspiel „Minecraft“, die er aus rechtlichen Gründen als Selfpublisher herausbringt. Dabei schätzt er besonders, dass er hier in deutlich kürzeren Abständen Bücher veröffentlichen und schnell auf das reagieren kann, was seine Fans ihm an Feedback geben.

Auch die Schriftstellerin Michaela Grünig fährt zweigleisig. Beim Droemer Knaur Verlag ist sie Autorin von sogenannten Chick-Lit-Krimis. Als Selfpublisher veröffentlicht sie vor allem Liebesromane, die von Viel-Lesern auch mal an zwei, drei Tagen durchgelesen werden, denen man also schnell Nachschub liefern muss, auch damit sie einen nicht vergessen. Da ist die Laufzeit, die man im klassischen Verlag hat zu lang.

Die Qualität eines Buches muss nicht leiden, nur weil es im Selbstverlag publiziert wird. Darin sind sich Grünig und Olsberg einig. Die Autoren können sich freie Lektoren, Korrektorate und Graphiker für die Covergestaltung dazu holen und das machen die professionellen Selfpublisher auch. „Sie geben teilweise genauso viel Geld aus wie ein Verlag, um ihren Lesern eine hohe Professionalität  bieten zu können“, erklärt Olsberg.

Was Beide als Nachteil des Selfpublishing empfinden, ist, dass man über diesen Weg nur sehr schwer in den klassischen Buchhandel kommt. Um auch solche Leser zu erreichen, die ihre Bücher nicht bei Amazon kaufen sondern im Buchladen, ist der klassische Weg über einen Verlag noch immer der zuverlässigste.

Es hat in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung beim Selfpublishing stattgefunden und es bleibt sicherlich spannend zu beobachten, wie es damit weitergeht. Diese Tendenzen mit einem gleichgültigen Schulterzucken abzutun und alten Vorurteilen verhaftet zu bleiben wird dem Selfpublishing von heute in keinster Weise mehr gerecht.

 

Marike Schnarr