New York Hier kommt der dritte und letzte Teil von Sandras Bericht zur TOC, der Konferenz zur Zukunft des Verlegens in New York.

Mittwoch. Der dritte und letzte Konferenztag beginnt damit, dass ich mich im falschen Vortrag wiederfinde. Wahrscheinlich haben sich die Veranstalter doch etwas dabei gedacht, dass sie täglich aktualisierte Zeitpläne ausgelegt und aufgehängt haben. Egal, Digital Storytelling: The evolution of publishing fiction on a mobile device (Sprecher: Geoffrey Young) erweist sich als sehr gute Wahl. Young erinnert zunächst daran, dass heutige Devices, z.B. das iPhone, praktisch immer eingeschaltet seien. Dadurch seien jederzeit problemlos Synchronisierungen möglich. Und hier kommt der Comic ins Spiel, den Youngs Bruder gezeichnet hat. Wenn man solche Inhalte auf mobilen Endgeräten anbietet, müssen sie mehr Funktionalität haben als in gedruckter Form, sagt Young. Er zeigt, wie er den Comic so für das iPhone angepasst hat, dass er immer exakt zu der Uhrzeit spielt, zu der der Leser ihn liest. Ist es beispielsweise im realen Leben morgens 10 Uhr, ist es auch im Comic morgens 10 Uhr. In Zukunft soll der Comic auch an verschiedenen Orten stattfinden können, je nachdem, was der Standortsensor des mobilen Geräts gerade über den Aufenthaltsort des Lesers verrät. Durch diese Features werden Leser stärker einbezogen und nach Youngs Erfahrung mögen sowohl Leser als Autoren solche Extras. Interaktive Bücher bieten aber noch mehr Möglichkeiten. So ist es bei Lesegeräten, die ständig online sind, möglich, auf Merchandising-Seiten zu verlinken oder Werbung zu schalten.

Link zum PDF: http://bit.ly/9FHx4X

Der nächste Vortrag, Integrating an E-Book with the Internet (Sprecher: D.C. Denison) plädiert dafür, E-Books stärker mit Hyperlinks zu versehen, als dies bisher getan wird. Oft würden E-Books noch dadurch hergestellt, dass gedruckte Bücher eingescannt würden, wodurch man sich viele Möglichkeiten vergebe. Die Nutzung von Hyperlinks erlaubt es, nachträglich (nachvollziehbare) Änderungen und Updates an E-Books vorzunehmen. Außerdem könne man Fragen an die Leser stellen oder ihnen Feedback-Möglichkeiten geben.

PowerPoint zum Vortrag: http://bit.ly/aQABZa

Der dritte Vortrag des Tages zieht erwartungsgemäß viele Hörer an: Book meets Tablet: 10 Ways to enhance your iPad Book (Sprecher: Peter Meyers). Meine Erwartungen erfüllt der Vortrag nicht, aber es ist spannend zu hören, dass sich ein Sprecher der Konferenz dagegen ausspricht, Bücher aufzublähen, indem man sie mit anderen Medien wie etwa Twitter verknüpft. Für sinnvoll erachtet es Meyers hingegen, bestimmte Zusatzfeatures innerhalb eines Buches anzubieten, z.B. kontextsensitive  Menüs, die eine Kurzbeschreibung eines Protagonisten liefern, wenn man im E-Book auf dessen Namen zeigt oder klickt.

PDF zum Vortrag: http://bit.ly/c4CeFk

Der letzte Vortrag, den ich sehe, beschäftigt sich mit dem E-Book-Konsumverhalten: Understanding the Ebook Consumer: The Results of the BISG Consumer Survey (Sprecherin: Angela Bole). Die vorgestellte Studie zeigt, dass E-Books häufiger von Männern als von Frauen und vor allem von Menschen mit hohem Einkommen gelesen werden. Diese Leser wünschen sich vom E-Book gegenüber dem gedruckten Buch Zusatzfeatures und Sozialisierungsmöglichkeiten, z.B. ein begleitendes Blog, in dem man sich über das Gelesene austauschen kann. Interessant ist auch die Erkenntnis, dass ein Drittel der Studienteilnehmer auf ein E-Book warten würden, wenn es später als die Hardcover-Version des entsprechenden Buches auf den Markt kommt.

PowerPoint zum Vortrag: http://bit.ly/aADdYI

Nach der Mittagspause stehen noch fünf kurze Keynotes auf dem Programm. Zunächst stellt Scott Sigler die Frage: Who needs you, big publishing? Obwohl Sigler sich äußerst erfolgreich selbst vermarktet hat, spricht er sich doch für die Kooperation von Autoren mit Verlagen aus. Die Gründe dafür findet ihr in seiner Präsentation:  http://bit.ly/cLbeLs

Frances Pinter gibt den Zuschauern in seiner Keynote Rethinking the role and funding of academic book publishing die Idee mit auf den Weg, dass man beispielsweise Bibliotheken als Sponsoren für die Erstauflage dieser Bücher gewinnen könne. Gut gefallen hat mir auch Pinters Wertvergleich zwischen Wein und einem Buch: Vor Gutenberg habe ein Buch den Wert eines Weinbergs gehabt, nach Gutenberg den einer Flasche Wein und mit dem E-Book den eines Glases Wein. Nun müssen Verlage aufpassen, dass das Glas nicht eines Tages leer ist. Link zu Vortrag: http://bit.ly/bmhpbU

Anthony Antolino vom Platinsponsor Copia darf noch ein wenig Werbung für sein Unternehmen und dessen Expertise machen: http://bit.ly/bqMlfl

Empfehlenswert ist das Video zu Ramy Habeebs Keynote 1,001 Arabian Rights: Digital publishing and its role in exposing non-English languages. Das Thema ist vielleicht nicht für jeden relevant, aber die Präsentation durchaus kurzweilig und amüsant:  http://bit.ly/9o4asO

Das Schlusswort gehört Konferenzveranstalter Tim O’Reilly. Er spricht zum Thema The future of digital distribution and E-Book marketing. O’Reilly macht abschließend noch einmal deutlich, dass ein E-Book nicht nur weiß, dass es gelesen wird, sondern auch, dass und an welcher Stelle es abgebrochen wird. Dies wird in der Zukunft noch spannende Möglichkeiten für den E-Book-Markt mit sich bringen. Das PDF zum Vortrag gibt es hier: http://bit.ly/96DBe7

Geschafft. In den vergangenen die Tagen habe ich viel Wissen angehäuft, das jetzt erst einmal strukturiert werden will. Besonders gut geht das natürlich, wenn man einen freien Kopf hat. Und einen freien Blick. Wie zum Beispiel auf dem Empire State Building, dessen Besuch den krönenden Abschluss meines New York-Aufenthaltes darstellt.

Sandra Michel