Sibylle Berg: „Ein guter Tag ist, wenn niemand nervt.“

Sybille Berg © Sophie Kühmel

Sybille Berg © Sophie Kühmel

In Wohnzimmerlesungsmanier sitzen, hocken und knien die Leute auf dem Boden vor dem 3Sat-Sofa, auf dem Sybille Berg Platz nimmt. Sie unterhält sich kurz noch mit der kauernden ersten Reihe, bevor sie auf ihre Position (bloß nicht zu nah aneinander sitzen!) verwiesen wird. Das Interview ist denkbar kurz und die Autorin scheint nicht eben unglücklich darüber zu sein. Mehrfach entschuldigt sie sich, sie wiederhole sich heute den ganzen Tag, während alle anderen nur verwirrt blinzeln. Einige Messebesucher verweilen den ganzen Tag in den wenigen schwarzen Plastikfreischwingern am 3Sat-Stand. Die Moderatorin ist halbwegs unaufgeregt und hört Frau Berg aufmerksam zu, die ehrlich spricht, mit leichtem Dialekt und bei der Lesung aus ihrem Buch ,,Der Tag an dem meine Frau einen Mann fand“ nur einige Lenz-Zeilen selbst liest – diese aber umso impulsiver!

Weil die beiden Frauen aus einem Buch lesen und zusammen rücken, dann wieder auseinander, ist zu beobachten, wie die Kamera panisch schwenkt: Buch – Berg – Buch, die Tiefenschärfe schwankt umher als sei die Kamera höchst selbst betrunken. Dabei sind Sibylle Bergs Worte außerordentlich klar: „Die Beziehungsprobleme aus meinem Buch, die gibt es überall, die Konflikte findet man aus den gleichen Gründen immer wieder.“

Wie üblich wird das Gespräch beendet, bevor es richtig interessant und tiefgreifend wird, der überquellende Sitzraum voller neugieriger Leser, ein Großteil schält bereits die Folie vom neuen, frisch gekauften Berg-Roman, bevor wie vom Fließband der nächste Schriftsteller auf die weißen Polster nachrücken wird.

Sophie Kühmel