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Rhein-Main-Gebiet: Im Nachgang: Eure Rechte beim Berufseinstieg im Verlag #andiearbeit

Was genau ist ein Volontariat? Welche Rechte habe ich im Praktikum? Wie wirkt sich der Mindestlohn auf die Bezahlung aus? Über diese und viele weitere arbeitsrechtliche Fragen informierten die Jungen Verlagsmenschen am 26. April 2016 bei einer Infoveranstaltung an der Universität Mainz, die von der AG Nachwuchsrechte organisiert wurde. Thematisch lag der Fokus auf den klassischen Einstiegsmöglichkeiten Praktika und Volontariat und den rechtlichen Veränderungen, die sich dafür aus dem Mindestlohngesetz ergeben.

Cristina Bartz ©Sabrina Kurtz

Cristina Bartz ©Sabrina Kurtz

Wie groß das Interesse bei den Studierenden war, zeigte sich schon vor dem eigentlichen Veranstaltungsbeginn, denn weil der Raum mit gut 70 Teilnehmern aus allen Nähten platzte, musste in eine größere Location gewechselt werden. Nach einer kurzen Einführung, in der u.a. die wichtigsten Ergebnisse der JVM-Nachwuchsumfrage (hier mehr http://jungeverlagsmenschen.de/bericht-zur-nachwuchs-umfrage-des-junge-verlagsmenschen-e-v/) vorgestellt wurden, ging es direkt mit der Podiumsdiskussion los, bei der Cristina Bartz (Personalleiterin der S. Fischer Verlage) und Katharina Gerstmann (Fachanwältin für Arbeitsrecht, Kanzlei Arens, Kordel & Gerstmann) abwechselnd Rede und Antwort standen.

Während Frau Bartz vor allem Erfahrungen aus der Branchenpraxis teilte und viel über die Einstiegschancen und die Nachwuchsförderung bei S. Fischer erzählte, übernahm Frau Gerstmann eher den rechtlichen Part und erklärte, welche Rechten und Pflichten Praktikanten und Volontäre laut dem Gesetzgeber haben.

Ein Schwerpunkt lag dabei auf den Neuerungen durch die Einführung des Mindestlohns Anfang 2015, der sich insbesondere auf Praktika auswirkt. Da für freiwillige Langzeitpraktika der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde fällig ist, stellen Unternehmen – auch die meisten Verlage – fast nur noch Pflichtpraktikanten ein, die von dieser Regelung ausgenommen sind. Viele Studierende stehen jetzt vor dem Problem, dass sie kaum Chancen haben Praxiserfahrung zu sammeln. Im Bachelorstudiengang Buchwissenschaft an der Uni Mainz sind beispielsweise für das Pflichtpraktikum nur vier Wochen eingeplant; im Masterstudium ist gar keins vorgesehen.

Katharina Gerstmann©Sabrina Kurtz

Katharina Gerstmann©Sabrina Kurtz

Der zweite große Diskussionspunkt betraf das Volontariat, das von den Verlagen als Ausbildung angesehen wird und deshalb nicht unter den Mindestlohn fällt. Doch wie die Ergebnisse der Nachwuchsumfrage gezeigt haben, ersetzen viele Volontäre reguläre Stellen. Besitzt das Volontariat keinen Ausbildungscharakter ist nicht nur der Mindestlohn fällig, sondern das Gehalt das für diese Tätigkeit üblich ist, klärt Gerstmann auf und gibt Ratschläge, wie man auf diese Situation am besten reagiert.

Der S. Fischer Verlag setzt beim Nachwuchs bewusst auf Volontäre sowie Auszubildende  und weniger auf Praktikanten. Dabei wird vom ersten Tag an Eigeninitiative gefordert, die aber mit einer für die Branche vorbildlichen Vergütung und einem intensiven Einblick in die Verlagsarbeit belohnt wird, beispielsweise dürfen Volontäre auf der Buchmesse an Verkaufsgesprächen mit Agenten teilnehmen und die Azubis organisieren die alljährliche Weihnachtsfeier. Auch die Übernahmechancen im Anschluss stehen nicht allzu schlecht – in den letzten Jahren konnten einige Praktikanten und Volontäre von zunächst befristeten in unbefristete Vollzeit-Arbeitsverhältnisse übernommen werden.

Nachdem die wichtigsten generellen Fragen geklärt waren, nutzten die Teilnehmer noch die Gelegenheit ihre persönlichen Fragen zu stellen. Die meisten suchten Tipps für die Bewerbung und Frau Bartz ermutigte insbesondere Studierende mit Berufserfahrung (zum Beispiel durch eine Ausbildung vor dem Studium) sich selbstbewusst für einen Direkteinstieg zu bewerben – ohne die Zwischenstufen Praktikum oder Volontariat. Für sie sind junge Menschen Impulsgeber, die neue Ideen einbringen und daher unglaublich wertvoll für jedes Unternehmen.

Getreu der Redewendung sind Lehrjahre zwar noch immer keine Herrenjahre, aber deshalb ist es umso wichtiger, dass sich der Branchennachwuchs mit dem Arbeitsrecht und seinen aktuellen Entwicklungen auskennt – dafür hat diese JVM-Veranstaltung neben den regelmäßig in Kooperation mit Verdi stattfindenden Infoabenden hoffentlich eine Basis gelegt.

Weitere Informationen:

Hier geht es zum Liveprotokoll mit den wichtigsten Fakten: Liveprotokoll_Infoveranstaltung_Uni Mainz

Einen detaillierten Veranstaltungsbericht findet ihr auf boersenblatt.net. [http://www.boersenblatt.net/artikel-jvm-podium_zum_arbeitsrecht_in_mainz.1138154.html]

 

Text: Cigdem Aker, Fotos: Sabrina Kurtz