Pilotstudie über „Jugendliteratur und Soziale Netzwerke“

Am Donnerstag Nachmittag stellten Dr. Christiane Raabe, Tanja Leuthe und Petra Wörsching von der Internationalen Jugendbibliothek die die Pilotstudie JL 2.0 vor. Dabei geht es um die Vermittlung anspruchsvoller Jugendliteratur. Die große Frage dazu ist, ob Soziale Netzwerke neben klassischen Formen der Kulturvermittlung neue Aktionsfelder bieten können.

Das White Ravens Internationale Kinder- und Jugendliteraturfestival wurde hauptsächlich im Internet beworben. Neben dem White Ravens Blog als erstes Standbein gab es eine facebook-Seite als Schaufenster und Twitter für schnelle Kommunikation mit Verlagen. Letzteres wird von Jugendlichen nicht genutzt. Über Pinterest und Flickr wurden auch Inhalte verbreitet. In allen Communities wurde ein Neustart hingelegt und bis zum Festival erreichten die Macherinnen sowohl bei facebook und bei Twitter je ca. 2000 Freunde und Follower.
Das alles funktioniert nur mit sorgfältiger Vorbereitung. Die drei Mitarbeiterinnen der Jugendbibliothek entwickelten Reaktionsstrategien und einen genauen Redaktionsplan, außerdem entschieden sie sich für einen moderaten jugendlichen Sprachduktus. Die Videos für youtube und vimeo machten sie selber.

Ein Highlight war das Spiel „White Raven on Tour“, bei dem Jugendliche Bilder ihrer nach Vorlage selbst gefalteten weißen Raben einsenden konnten. Diese Bilder wurden in eine Galerie hochgeladen. Jeden Freitag gab es auf dem Blog eine Buchvorstellung, womit das Interesse der Zielgruppe am Blog kurzzeitig stieg. Damit wurde Interesse am Blog generiert, das nachher auf das Festival umgelenkt wurde.

Ein weiterer Faktor war die Zusammenarbeit mit bayrischen Schulen. Lehrer konnten mit ihren Klassen teilnehmen. Für die Schüler ist es etwas besonderes, wenn sie Leseberichte im Internet veröffentlichen dürfen, sie geben sich dann in der Regel mehr Mühe, als bei Beiträgen, die das Klassenzimmer nicht verlassen. Nachdem die Kommunikation mit Jugendlichen über Literatur eher schleppend verlief, war die direkte Kommunikation das Mittel zum Erfolg.
Für das Festival wurden Gastreporter zwischen 13 und 20 Jahren ausgewählt, die auf dem Blog und den anderen Kanälen live vom Festival berichteten. Facebook ist für Jugendliche das Medium der Selbstdarstellung und so bekam das Team etliche unverlangte Texte geschickt.

Das Fazit der Vortragenden war, dass so eine Werbeaktion gelingen kann, wenn man selber offen für Social Networks ist, und dass sich die Internationale Jugendbibliothek weiter an diese Strategie halten wird. In Kürze erscheint diese Studie auch als E-Book der Vortragenden.

Ulrike Wittmann