Moderne Arbeitsformen im Verlag: Über Meetings, Nine-to-five-Jobs und Anforderungen an Bewerber

Das Gespräch am Messe-Freitag im Rahmen des Karrieretag Buch+Medien wird geleitet von Kai Mühleck, Redakteur Sortiment und Online sowie Dr. Stefan Hauck, zuständig für das Ressort Sortiment, Kinder- und Jugendbuch des Börsenblattes. Begrüßt haben sie Sebastian Wolter, einer der Geschäftsführer des Indie-Verlages Voland&Quist, Dorothea Martin, Head of Content der oolipo AG sowie Katrin Weller, Programmleiterin von Oetinger34.

 

Zunächst stellen die drei Mitwirkenden ihren Arbeitsalltag vor, wobei man nicht immer von Alltag sprechen kann. Bei Wolter seien die Tage nicht immer gleich. Er selbst ist für den Verlag als Lektor und in der Pressearbeit tätig. Vor allem vor Neuerscheinungen hätte dann die Pressearbeit mehr Vorrang und er teile sich seine Zeit dafür selbstständig ein. Katrin Weller betreut in ihrer Position als Programmleiterin die kreative Online-Community des Oetinger Verlages. Auf der Plattform Oetinger34 wählt eine Community bestehend aus Lesern, Lektoren, Illustratoren und Autoren jene Projekte aus, die dann zur Veröffentlichung in der Edition Oetinger34 gebracht werden sollen. Dorothea Martin selbst ist erst seit 01.03.2016 bei der oolipo dabei. Die Storytelling Plattform befindet sich aktuell in der Betaphase und wird im August gelauncht. In ihrer Position kümmert sich Martin um die Akquise von Autoren und Stoffen, die in dem Streamingportal veröffentlicht werden sollen.

Weller betont, dass die Arbeit für eine Online Plattform nicht gleich eine 24-Stunden-Erreichbarkeit mit sich bringe. Das Team arbeite Größtenteils gemeinsam vom Büro in Hamburg aus, es sind eher die kreativ Arbeitenden, die mit Smartphone bewaffnet von überall aus arbeiten. Wolter sei eher mit klassischen Aufgabenbereichen des Verlags konfrontiert, einzelne Stufen wie die Covergestaltung würden bei Bedarf auch ausgelagert, ebenso wie die IT von einem externen Mitarbeiter verantwortet würde. Spannend ist, dass die Workflows bei oolipo gerade noch im Aufbau sind. So befinden sich zwei Büros gerade in Berlin und Köln, einige Mitarbeiter sitzen in London, sodass viel über Mails, Hangouts oder das Telefon organisiert werden müsse.

 

Nine-to-five Arbeit ist gar nicht so abwegig

Während sich Dorothea Martin ihre Arbeitszeit flexibel selbst einteilen und im Homeoffice arbeiten kann, versucht Wolter, selbst auch Vater, sich an seine klassischen Bürozeiten von neun bis 17 Uhr zu halten. Er schafft das, indem er sich seine Aufgaben genau priorisiert und wenig prokrastiniert, wie er selbst sagt, wobei es kurz vor Imprimatur eines Titels auch mal stressiger werden kann. Während es bei Wolter die Kinder sind, versucht Dorothea Martin sich in ihrem Tagesablauf übrigens an ihrem Hund zu orientieren, den sie nicht den ganzen Tag allein lassen möchte. Interessant ist, dass Voland&Quist komplett auf Meetings verzichtet und eher auf Absprachen via E-Mail und Telefon setzt. Anders bei Weller: Wöchentlich finden Lektoratsmeetings statt, ein Mal wöchentlich trifft sie sich auch mit ihrer Kollegin aus der Social Media Abteilung. Für sie steht eine flache Hierarchie mit Gleichberechtigung und Absprachen untereinander im Fokus. Wenn eine Kollegin gerade nicht vor Ort sein kann, wird sie per Skype oder Telefon zugeschaltet.

  

Über Quereinstieg und IT-Fähigkeiten

Eine interessierte Zuhörerin stellt zum Abschluss noch die Frage, wie viel Wert bei der Auswahl der Bewerber auf die Ausbildungs- und Studienabschlüsse gelegt werde. Wolter ist selbst eine Art Quereinsteiger im Lektorat, denn er ist kein studierter Germanist, sondern kommt mit seinem Buchhandel/Verlagswirtschaftstudium eher aus der Betriebswirtschaft. Weller hat vor Oetinger34 bei einem klassischen Kinderbuchverlag (ARENA) gearbeitet und mit Grundkenntnissen im IT-Bereich ihre neue Stelle angetreten. Martin kommt sogar aus einer völlig anderen Richtung, sie ist studierte Theaterpädagogin. „Sich trauen“ heißt hier also die Devise. Man muss kein Fachmann sein, eine gewisse Begeisterungsfähigkeit und Auffassungsgabe sei jedoch wichtig, da sind sich alle drei Vortragenden einig. Wichtig sei außerdem, schon während des Studiums über den Tellerrand zu schauen und sich auszuprobieren. „Hobbys machen greifbar“, so Wolter. So kann man auch, wenn man dem eigentlichen Anforderungsprofil nicht entspricht, Chancen bei der Bewerbung haben.

Nadine Weichert