Mit Dreadlocks und Bubble-Tea zum Bachmannpreis

Cornelia mit Sabrina

Cornelia mit Sabrina

Cornelia Travnicek aus St.Pölten in Österreich ist 25 Jahre alt. Erst einmal ist das nichts Außergewöhnliches.  Auf den ersten Blick sieht man eine relativ kleine, junge, hübsche Frau mit schwarzen Dreadlocks (welche sie schon ca. 10 Jahre wachsen lässt). Beobachtet man sie weiter, könnte man davon ausgehen, sie würde zu einer Gruppe von Studenten gehören, die zu Gast beim Bachmannpreis ist. Doch ist sie eine der jüngsten Teilnehmerinnen beim Ingeborg-Bachmannpreis in diesem Jahr.

Heute war der Tag der Tage: Cornelia Travnicek trug  ihren Text der Jury vor. Sie überraschte sofort mit ihrem Erscheinungsbild: ein schwarzes Oberteil und darüber einen weißen Blazer. Traf man sie jedoch zwischen den Lesungen oder am Lendhafen, trug sie T-Shirt und Haremhose. Um ihre Haare hatte sie diesmal ein Tuch gebunden und sie nicht wie sonst zu einem seitlichen Zopf geflochten oder hochgebunden. Mit ihrem Text überraschte sie auch und sorgte für gespaltene Meinungen bei der Jury. Es war alles vertreten: von totalem Missfallen über Hin-und-her-Gerissenheit bis hin zu voller Zustimmung. Die Jury hatte zwei zentrale Kritikpunkte:  Zum einen wurde bemängelt, dass auf der ersten Seite gleich dreimal das Adjektiv „groß“ verwendet wurde und zum anderen, dass sie erst 25 Jahre alt ist.

Der Abschnitt, welcher kritisiert wurde, sei der schwierigste gewesen, berichtete mir Cornelia Travnicek. Allein schon genügend Synonyme für das Wort „Karton“ zu finden, sei schwer gewesen. Doch möchte Cornelia Travnicek den Text für die große Menge zugänglich machen und die schwebende Leichtigkeit beibehalten – somit kann sie gut mit dieser Kritik leben. Den zweiten Kritikpunkt versteht sie jedoch nicht. Es gebe weitere Autoren, welche erst Anfang 20 seien, doch bei ihnen sei das Alter kein Kritikpunkt gewesen.

Doch nun zurück zur Person Cornelia Travnicek. Sie ist eine sehr offene, freundliche, junge Autorin. Sie hat Sinologie (im Volksmund Chinakunde) und Informatik studiert und vor Kurzem ihren eigenen Bubble-Tea-Laden eröffnet. Somit musste sie hier in Klagenfurt nicht nur hundertprozentig auf ihre Lesung konzentriert , sondern gleichzeitig Geschäftsführerin für ihren Laden sein. Diese Doppelbelastung war Cornelia Travnicek nicht anzumerken, denn sie versprühte immer gute Laune und lächelte.

Um in ganz banaler Sprache, die Paul Jandl dem Romanauszug „Junge Hunde“ von ihr vorgeworfen hat, zu sagen:

Diese junge Autorin kann man nicht in eine große Schachtel, eine große Kiste, einen großen Karton oder in eine kleine Schublade stecken, da sie ihren eigenen Schreibstil verfolgt.

Sabrina Schütze