Meyerhoff markiert Machtanspruch

Joachim Meyerhoff
© Katharina Tummes

Schon bevor Joachim Meyerhoff die Bühne des Klagenfurter Wettlesens betritt, ist klar, wer der Starperfomer unter den eingeladenen Autoren ist. Der Theaterdarsteller zieht nicht nur Publikum in das Wiener Burgtheaters, sondern sorgt auch als Autor in Klagenfurt dafür, dass die Zuschauer in das Studio des ORF pilgern. Schon vor der Lesung wird vom Moderator angekündigt, dass Meyerhoff sich vorbehält, abschließend etwas zu sagen.

In „Ich brauche dieses Buch“ erzählt Meyerhoff eine Anekdote aus seinem Leben, autobiografisch waren schon seine zwei vorangegangenen Romane. Es handelt sich bei allen Erzählungen um seine coming-of-age-Geschichte, in der sich der Erzähler immer wieder selbstironisch in Szene setzt. Während die Jury den Text aufgrund des Witzes grundsätzlich positiv diskutiert, kann Meyerhoff schon kaum an sich halten. Keiner der Jurorinnen und Juroren will nämlich so recht verstehen, was es mit der lateinischen Inschrift auf sich hat, die der Erzähler auf der Flucht an einer Kirche entdeckt. Daher lässt er sich wie angekündigt das letzte Wort nicht nehmen und erklärt, dass die Entdeckung des lateinischen Spruchs “ Vacare culpa magnum est solacium“ (Frei von Schuld zu sein, ist ein großer Trost) seine Ankunft im Bildungsbürgertum markiere.

Was uns nach Klagenfurt bleibt, ist seine pointensichere Geschichte, die sich nicht mit den Großen der Weltliteratur messen will. Also keinesfalls sollte man sich vom Lesen seiner Geschichten abhalten lassen, die doch so unterhaltsam ist.

Katharina Tummes