Logbuch: Die Eröffnungsfeier der 38. Tage der deutschsprachigen Literatur

CC-BY-NC-SA 4.0 Lisa-Marie George

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19:00h Unsere Pressetaschen sind in diesem Jahr noch voller als im letzten. Zum Glück ist auch die aktuelle »Volltext« mit großem Bachmann-Special und Vorstellungstexten der lesenden Autoren drin.
19:50h Die Tür des ORF-Theaters, unserem ›Hörsaal‹ für die nächsten Tage, geht auf. Plätze sind rar. Vor allem die anwesenden Senioren kämpfen um die wenigen Stühle, die nicht der Presse und den offiziellen Gästen vorbehalten sind. Egal, wir sind ja Presse. Wir fragen uns, welche Aussage wohl der kleine Teich inklusive Wasser innerhalb des Dinosaurierstahlbühnenbilds hat.
19:55h Keine Zeit mehr zum Nachdenken, denn der Juryvorsitzende Burkhard Spinnen erscheint, sitzt ein bisschen auf seinem Stammplatz im Zentrum der Jury, hat offenbar viel auf seinem Smartphone zu tun und geht wieder. Geht wohl doch noch nicht los.
20:25h Das nächste Highlight. Die Losbox kommt rein. Gefolgt von den ersten Autoren. Erste Beobachtungen: Georg Petz und Tobias Sommer beweisen, dass man die Haare in diesem Jahr etwas länger tragen kann. Tex Rubinowitz im Streifenshirt in Mittelgrau – trendy!
20:40h Es geht los. »Die Unvollendeten«, diesjährige Hausband des Wettlesens, leitet ein. Vier Jungspunde mit Gummihuhn auf dem Schlagzeug und einer Mischung aus Jazz und Folklore.
20:50h Moderator Christian Ankowitsch verkündet noch einmal offiziell, was wir ohnehin schon wissen, die »langfristige Absicherung des Preises«, yeah!
20:52 – 21:25h Endlich mal wieder ein paar Reden. Die Essenz: a) Ein Herz für Autoren haben. b) Den Verlagen den Rücken stärken und einen großen Onlineversandhandel ignorieren. c) Der Bachmannpreis ist eine literarische Insel. (Für Interpretationen offen.) d) »Lesen Sie in Blogs und den Feuilletons der deutschsprachigen Dings.« (C. Ankowitsch)
21:25h Offizieller Auftritt der Jury. Burkhard Spinnen erinnert an Marcel Reich-Ranicki und erzählt nebenbei eine kurze Geschichte des Literaturbetriebs der Nachkriegszeit.
21:37h Auslosung. Die Lesereihenfolge hier.
21:46h Das Schlagzeughuhn der Band wird betätigt und quietscht.
21:50 – 22:15h Klagenfurter Rede zur Literatur von Maja Haderlap (hat vor drei Jahren den Bachmannpreis gewonnen). Sie spricht über Probleme und Vorteile, mit denen sich mehrsprachige Autoren konfrontiert sehen. Dieses Thema ist besonders aktuell, wenn man bedenkt, dass die letzten drei Gewinnerinnen alle mit Deutsch alle mit Deutsch als Ihrer Zweitsprache aufgewachsen sind. Oft müssten sie sich für die Sprache, in der sie schreiben, rechtfertigen, sich mit immer gleichen Interviewfragen in Bezug auf Nationalität und Sprache beschäftigen. Dabei ist Haderlap der Meinung, dass die Autoren einen großen Vorteil haben: Sie sehen Wörter und ihre Bedeutungen in ihrer Vielfältigkeit und können sich über Sprachgrenzen hinwegsetzen.
22:16h Die Eröffnungsfeier ist vorbei und das heißt: Auf zum Buffet. Ernüchterung, als wir feststellen, dass es in Strömen regnet. Alles eng, alles voll, Wurstsalat und davon viel.

Katharina Graef