Kreative Köpfe und Querdenker willkommen!

René Kohl (Kohlibri), Dr. Nadja Kneissler (Delius Klasing) und Wibke Ladwig (Sinn und Verstand) diskutierten mit den Moderatoren Stefan Hauck und Kai Mühleck vom Börsenblatt „Wie man online richtig mitmischt“ und sprachen über „Handwerkszeug im E-Commerce“.

Podium © Sandra van Lente

Podium © Sandra van Lente

Dabei war es spannend zu sehen, wie ein reiner online Buch- und Medienversand (Kohlibri), ein auf eine Reihe von Sportarten spezialisierter Verlag (Delius Klasing) und eine Expertin für digitale Kommunikation (Wibke Ladwig) an das Thema E-Commerce herangehen. Erst mal herrlich unprätentiös und mit dem Wissen, dass auch diese Blase irgendwann platzt. Alle drei Experten gaben einen Einblick in ihre Strategien. Dabei wurde recht schnell klar, dass alle eine Reihe von verschiedene Kanälen und Maßnahmen nutzen, oder wie es Herr Kohl ausdrückte: „Ich nutze jede Bühne, die sich mir bietet.“

Unterschiedliche Herausforderungen und Lösungen

Frau Kneissler erklärte, dass ihre Zielgruppe recht eng gefasst, aber daher auch teilweise besser zu erreichen sei, etwa bei Sportevents und über Werbung in special interest Zeitschriften. Während sie die Vorteile der direkteren Kommunikation über Onlinemedien als nützlich herausstellte, sagte sie gleichzeitig, dass der wichtigste Umschlagplatz immer noch die physischen Läden seien, ihre „Schaufenster nach draußen.“

Und Herr Kohl machte deutlich, dass durch die Art „Fernbeziehung“ mit den Kundinnen und Kunden auch ein besonderes Vertrauensverhältnis bestehe. „Wir kriegen es relativ postwendend um die Ohren gehauen, wenn wir was falsch machen“, warnte er, wenn er auch seinen Kunden eine etwas andere Erwartungshaltung zuschreibt als denen, die bei Amazon bestellen (in aller Kürze: etwas gnädiger, aber nicht unendlich geduldig).

René Kohl, Dr. Nadja Kneissler, Wibke Ladwig © Sandra van Lente

René Kohl, Dr. Nadja Kneissler, Wibke Ladwig © Sandra van Lente

Frau Ladwig betonte besonders, dass es bei ihrer Arbeit vor allem darum gehe, Bindungen herzustellen und Exklusivität zu schaffen. Durch angemessene Maßnahmen und Inhalte entstehe das Gefühl von Wertschätzung bei den Adressaten und somit eine bessere Beziehung. Sie warnte vor Social Media Auftritten, die abtörnend wirken können, wenn die Verkaufsabsicht im Vordergrund steht. Einig waren sich alle darin, dass E-Commerce bei Weitem nicht mehr neu sei und es dabei keine ‚one size fits all‘-Strategie geben kann.

Karrierewege

Nun war die Runde Teil des Karrieretag-Programms und so kam natürlich die Frage auf, was potentielle Bewerber mitbringen sollten. Dabei fielen immer wieder die Worte Neugier, Aufgeschlossenheit, Souveränität, gesunder Menschenverstand und die Lust darauf, Neues kennenzulernen. Herr Kohl brach gar eine Lanze für Geisteswissenschaftler, die er als willkommene Allrounder denen vorziehe, bei denen er „Angst vor Verbildung“ habe.

Und auf die Frage, wo sie ihre perfekten Mitarbeiter denn nun fänden, gab es unterschiedliche Antworten. Während bei Delius Klasing noch eher klassisch über die bekannten Branchenportale ausgeschrieben wird, finden Ladwig und Kohl ihre neuen Mitarbeiter und Kooperationspartner lieber selbst im Netz und bei einschlägigen Veranstaltungen oder Initiativen. Einig waren sich alle, dass Branchenevents – Bar Camps und E-Book Camps wurden hier besonders hervorgehoben – sehr wichtig sind, um sich zu vernetzen, aufzufallen und neue Projekte anzukurbeln.

Mach es selbst!

Interessanter als die Beschreibungen der einzelnen Kommunikationsstrategien war das, was die Redner über ihre eigenen Stellen sagten. Insbesondere Herr Kohl und Frau Ladwig haben ihre Positionen selbst geschaffen – vorher gab es sie in dieser Form noch nicht. Oder haben Sie vorher schon mal von einem „Social Web Ranger“ gehört, Frau Ladwigs Berufsbezeichnung? Sie haben einen Bedarf identifiziert, ihre Fähigkeiten entsprechend eingebracht und so erfolgreich etwas Neues geschaffen.

Dass es sich lohnt, jenseits von etablierten Stellenprofilen neue Wege zu gehen, und dass es für solche Wege auch jetzt noch genug Raum in unserer Branche gibt, darin lag die wichtigste Erkenntnis dieser munteren Runde.

 

Sandra van Lente