Kosmopolitische Perspektiven und ein buntes Hemd

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© Ursula Renner-Henke

Auch am zweiten Tag im ORF-Studio hält der Juryvorsitzende Burkhard Spinnen seine obligatorische, vor allem aber humorvolle, Handy-aus-!-Rede. In Zeiten von NSA-Skandalen und Datenklau sei es sowieso viel sicherer, sein Handy auch mal auszuschalten. Dann wendet sich das Geschehen dem eigentlichen Sinn der Veranstaltung zu: den Texten.

Zé do Rock
Die Show beginnt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Brasilianer mit Wohnsitz in München und deutsch-russischen Wurzeln  Zé do Rock – oder Zé do wie er eigentlich genannt werden möchte – steigt als erster in den Ring. Er überrascht mit ungewöhnlicher Garderobe. Sein Hemd ziert ein gelb-orangefarbener Himmel im Batikstil, davor eine Strandszene mit schwarzer Palme. Eine Entsprechung findet es in der Performance seines Textes.

Cordula Simon
Cordula Simon, geboren 1986 in Graz, ist das Nesthäkchen beim Wettlesen. Ihre „Apokalypse in slow motion“ (Hildegard Keller), die man auch als „gefaketes Märchen“ (Meike Feßmann) lesen kann, wird von der Jury mit geteilter Meinung betrachtet.

Heinz Helle
Letztes Jahr noch als Stipendiat im Literaturkurs, liefert Heinz Helle einen Text, bei dem sich die Jury nicht sicher ist, ob es eine Beziehungsgeschichte, eine Kritik an der Familienpolitik oder beides ist. Klar ist aber: Handwerklich ist Helles „Wir sind schön“ von hohem Niveau.

Philipp Schönthaler
Sein Videoportrait zeigt ihn vor einem großen Essener Einkaufszentrum. Dabei formuliert er eine Kritik an Konsumwelt und Leistungsgesellschaft. Sein Text portraitiert einen Flöten-Virtuosen, dessen Schicksal durch ständige Fremdbestimmung in die maschinell getakteten Rhythmen der modernen Technik- und Konsumwelt  eingepasst wird.

Katja Petrowskaja
Die ukrainische Journalistin und Autorin Katja Petrowskaja trägt einen Auszug aus ihrem Roman „Vielleicht Esther“ vor. Darin schildert sie das Schicksal der jüdisch-sowjetischen Bevölkerung im zweiten Weltkrieg. Am Beispiel ihrer Babuschka interpretiert sie ein welthistorisches Thema laut der Mehrheit der Jury vollkommen neu. Auch das Studio-Publikum zeigt sich begeistert.

Lisa-Marie George, Sarah Gharib-Noureddine und Katharina Luise Graef