Konsole statt Bücher

Wii U in Aktion

Wii U in Aktion

Nur Bücher auf der Buchmesse? Mitnichten. Das Interesse an der neuen Wii U war riesig. Unsere Reporterin Birthe hat die neue Konsole für euch getestet.

Am 30. November hat das Warten für deutsche Nintendo-Fans ein Ende und die sehnlichst erwartete neue Konsole des japanischen Spiele-Giganten steht in den Läden. Auf der Frankfurter Buchmesse konnte man die Wii U, so der Name der Konsole, schon vorher am Nintendo-Stand testen. Ein Erfahrungsbericht.

Wie nicht anders zu erwarten war, ist der Andrang am Nintendo-Stand ziemlich groß – und das, obwohl in der Nachbarschaft jede Menge attraktive Angebote locken. Links kann man Elementarteilchen virtuell wegkicken, rechts wartet das Klassenzimmer der Zukunft mit 3D-Ansichten des menschlichen Körpers. Und doch bleibt die Faszination von Nintendo scheinbar ungebrochen, denn die Leute stehen schon Schlange an dem kleinen Stand, um die neue Wii testen zu können. Das Vorgängermodell erschien 2006 und ebnete den Weg für eine Welt, in der Videospiele nicht mehr nur durch eine Tastatur oder einen Controller, sondern durch den Spieler selbst und seine Bewegungen gesteuert werden. Dies ist mittlerweile Standard bei Videospielen. Die Wii U hingegen bietet einen neuen Controller an, welcher einem Tablet-PC ähnelt. Dieser soll für ein neues Spielerlebnis sorgen, gleichzeitig kann man aber auch noch mit den alten, bekannten Wii-Fernbedienungen spielen.

Aber genug der trockenen Details, jetzt wird gespielt. Ein freundlicher Nintendo-Mitarbeiter führt mich zum ersten Testbildschirm, wo der Affe Donkey Kong wie so oft schon in der Nintendo-Geschichte seine Prinzessin retten und dazu über den Bildschirm hüpfen muss. Diesmal steckt der Held jedoch in einem seltsamen dreirädrigen Gefährt, welches wir durch einen ausgefeilten Parcours steuern müssen. Hierzu müssen wir den neuen Wii-U-Controller hin und her kippen, um den Affen nach links oder rechts zu schicken.

Das ist nichts wirklich Neues, denn es gibt viele Apps fürs Smartphone, die genau nach diesem Prinzip funktionieren. Ein Smartphone alleine reicht dafür auch schon, denn heutzutage wissen eigentlich alle Handys, ob sie gerade quer oder hochkant gehalten werden – damit sie je nachdem eine passende Bildschirmansicht zeigen können.

So hat man den Dreh eigentlich relativ schnell raus und selbst der Mitarbeiter von Nintendo muss zugeben, dass diese Art der Steuerung nicht allzu innovativ ist. Probieren wir also etwas anderes. Nach kurzem Überlegen sammelt der Mitarbeiter eine Frau samt zwei Kindern ein und sortiert mich und eine andere Nintendo-Angestellte in eine Gruppe ein. Und jetzt heißt es: Alle gegen einen! Und dummerweise bin ich dieser eine, zu allem Überfluss auch noch der Bösewicht, denn beim nun folgenden Spiel „Animal Crossing: Sweet Day“ soll ich meine Mitspieler verfolgen und sie davon abhalten, Süßigkeiten zu sammeln, die in der Spielwelt praktischerweise überall rumliegen und auch noch auf Bäumen wachsen.  Wobei, alle gegen einen, das stimmt nicht so ganz. In Wahrheit muss ich nämlich gleich zwei mit überdimensionalem Besteck bewaffnete Fieslinge steuern. Dafür darf ich dann aber als Einzige aus der Gruppe den Wii-U-Controller benutzen, alle anderen müssen mit den normalen Wii-Fernbedienungen spielen.

Was mich zunächst erst einmal völlig überfordert, denn während meine Mitspieler locker-flockig durch die knallbunte Spielwelt hetzen, bin ich erst einmal verwirrt, denn auf dem großen Bildschirm sind nur meine Gegner zu sehen, ich aber nicht. Bis mir klar wird, dass ich auf den Bildschirm meines Controllers schauen muss, wo das Spielfeld aus der Sicht meiner beiden Figuren angezeigt wird, braucht es eine Weile (und den Hinweis der Mitarbeiterin). Auch die Tatsache, dass zwei neue Knöpfe für die Steuerung hinzugekommen sind, muss auch erst mal erwähnt werden, denn auch das weiß man ja nicht einfach so. Doch auch hier kriegt man schnell raus, welcher Knopf wie zu benutzen ist – und so schafft man es dann auch, die gestellte Aufgabe (drei Mitspieler fangen) zu erledigen.

Alles in allem habe ich jetzt natürlich nur einen Bruchteil dessen gesehen, was die Wii U bei ihrer Veröffentlichung rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft zu bieten haben wird. Eines kann ich allerdings jetzt schon sagen: Etwas Neues habe ich beim Testen der Konsole nicht gesehen. Wer also etwas wirklich Innovatives sehen will, braucht sich die Wii U nicht zu kaufen, erst recht nicht, wenn man schon eine alte Wii besitzt. Es mag zwar nett sein, ein bisschen mit dem neuartigen Controller herumzuspielen, aber ob das den hohen Preis rechtfertigt, den die Wii U vermutlich haben wird, ist die andere Frage.

Birthe Kolb