Sigrun Casper, Claudia Gehrke und Cornelia Joensson (v.l.) (c) Tanja Steinlechner

Sigrun Casper, Claudia Gehrke und Cornelia Joensson (v.l.) (c) Tanja Steinlechner

Zwei Lesungen des Konkursbuchverlags durfte ich am 11.Oktober 2014 miterleben: Live im Rahmen der #fbm14 auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage und abends im Lesbisch-Schwulen-Kulturhaus in der Klingerstraße 6.

Die Verlegerin Claudia Gehrke liest Geschichten aus ihrer langjährigen  Reihe das lesbische und das schwule Auge. Die „Augen“ immer unter einem Thema, zu dem es mal kurzweilige, mal poetische Erzählungen und Gedichte versammelt. Aber auch Umfragen, Essays und wundervolle erotische Bilder gibt es zu bestaunen.

Zwei Erzählstimmen aus dem Programm des Konkursbuchverlages klingen besonders nach. Die eine gehört zu Sigrun Casper, einer Autorin mit wachen jungen Augen, die ihr wahres Alter nicht kennen. Sie schreibt Gedichte, die augenblicklich bezaubern, sind sie doch anschaulich-konkret, bedürfen keiner verschwurbelten Sprache und fangen den Leser und Zuhörer ganz nebenbei ein, weil die Sprache mit wenigen Sätzen große Zusammenhänge skizziert. Dieses Prinzip greift auch in ihren Erzählungen.

Die Andere ist ihr Konterpart: Cornelia Jönsson aus Berlin, Schriftstellerin mit eigener

Sigrun Casper mit Claudia Gehrke (c) Tanja Steinlechner

Sigrun Casper mit Claudia Gehrke (c) Tanja Steinlechner

Autorenschule. Mit dem Band „Fischfang“ legt sie Erzählungen vor, die ihresgleichen lange suchen müssen. Liebesgeschichten, die sich jeder Kategorie entziehen und in keine Genreschublade passen. Nixen schwimmen durch ihre Geschichten, die aber weit entfernt von Fantasy sind. Sie seziert mit kühlem Blick Beziehungszusammenhänge und setzt sie einer durch und durch poetischen Sprache aus. Brüche und Rhythmus, Stakkato, schweben, Sinkflug. Der Zuhörer gleitet auf ihrer Stimme sanft durch die Wirbelstürme ihrer Geschichten.

Beide Autorinnen suchen mit ihrer jeweiligen Erzählstimme Antworten auf Grenzen und ihre Übertritte, leicht-federnd, herausfordernd, gewaltig. Was sie finden sind Beobachtungen an Perlenschnüren aufgereiht, Risse im Alltag, Leidenschaften, die die Welt zersplittert zurücklassen und neue Sichtweisen öffnen.

Wer jetzt mehr über den Konkursbuch und seine Autorinnen Sigrun Casper und Cornelia Jönsson erfahren möchte, liest hier weiter:
http://www.cornelia-joensson.de/ und www.schreibhain.de

Tanja Steinlechner