„Kill your darlings“ beim 18. Klagenfurter Literaturkurs

Maren Kames bei ihrer Lesung CC-BY-NC-SA 4.0 Lisa-Marie George

Maren Kames bei ihrer Lesung CC-BY-NC-SA 4.0 Lisa-Marie George

Der Klagenfurter Literaturkurs ist seit 18 Jahren das ‚Nachwuchs-Vorprogramm‘ für die Tage der deutschsprachigen Literatur. Neun junge Autoren arbeiten für einige Tage mit drei Tutoren – in diesem Jahr die Autoren Friederike Kretzen, Ludwig Laher und Julia Schoch – an ihren Texten, die sie am letzten Kurstag im Musil-Haus präsentieren. Maren Kames, eine der diesjährigen Teilnehmerinnen, haben wir zum Interview getroffen und sie über den Nutzen von Literaturkursen im Allgemeinen und ihre Texte im Speziellen befragt.

 

Du hast bereits an vielen Wettbewerben für junge Literatur teilgenommen, wie dem open mike Wettbewerb in Berlin. Helfen dir solche Veranstaltungen und Programme wie der Klagenfurter Literaturkurs langfristig beim Schreiben?

Das kann man so ganz pauschal, glaube ich, nicht sagen. Die Zweiergespräche, die wir hier geführt haben, waren sehr unterschiedlich. In diesem Fall hier kannte ich die drei Tutoren vorher nicht. Wobei dieses Sich-Vorher-Kennen vielleicht auch gar nicht so wichtig ist, weil der Text als Gesprächsgrundlage reicht oder sogar noch stärker im Zentrum steht. Aber selbst wenn die Gespräche gut und hilfreich sind – ich hatte ja hier drei beim Literaturkurs – inwieweit sie konkret in das Schreiben eingehen ist nochmal eine andere Frage. Aber ich habe hier einige Hinweise bekommen, was meinen aktuellen Text betrifft, aus denen, glaube ich, etwas wird.

Also sind solche Kurse schon eine nachhaltige Hilfe für dich.

Ja, selbst wenn die Hinweise nicht in diesen einen Text eingehen. Es war auch ein Gespräch dabei, durch das ich mir auf eine Art und Weise nochmal neu bewusst gemacht habe, was ich tue und wie es aufgenommen wird, und damit auch weiter arbeiten kann.

Du hast den Titel deiner Erzählung komplett gestrichen, nach dem letzten Tutorium und kurz vor der finalen Lesung. Tun solche Entscheidungen weh?

In dem Fall war das wirklich so. Es gibt gerade im Schreibschulkontext oder in solchen Schreibratgebern diese eine goldene Regel: „Kill your darlings.“ Es war so, dass ich in dem Gespräch wirklich verstanden habe: Das ist so ein Ding, an dem du hängst, obwohl es dem Text nicht gut tut. Und genau dieses ‚darling‘ war zugleich auch der Titel. Es gibt so einen kurzen Trennungsschmerz, aber man weiß gleichzeitig, dass es wirklich besser ist.

Der Text, den du hier vorgestellt hast, hat viele rhythmische Elemente. Siehst du deine Texte eher als Lyrik oder Prosa?

Ich finde, es ist genau dazwischen. Für das Schreiben finde ich diese Genrefrage sehr wichtig und produktiv, aber um einen Text greifen und einordnen zu können, ist das für mich immer zweitrangig. Es ist viel wichtiger, was ein Text bewegt und wie er das tut. Ich mag es aber auch, damit zu spielen und genau so eine Frage zu provozieren. Die Einordnung ob das, was vor einem liegt, jetzt mehr Lyrik, Prosa, Drama oder meinetwegen Essay wäre, ist mir egal, das kann den Zugang sogar eher verstellen und ablenken.

Wie wichtig ist denn dann der Vortrag für deine Texte?

Der ist mir super wichtig. Das liegt vor allem daran, dass Schreiben für mich auch immer gleichzeitig Hören ist. Ich erfahre beim öffentlichen Lesen oft auch nochmal etwas anderes über einen Text, als wenn ich mich alleine mit ihm auseinandersetze. Das geht so weit, dass ich mich manchmal frage, wie gut die Texte auf Papier überhaupt funktionieren. Der Vortrag ist auf jeden Fall etwas, dass mir sehr viel Spaß macht.

Das passt auch zum Bachmannpreis, der ja ein Lesewettbewerb ist. Ist eine Teilnahme dein langfristiges Ziel?

Das finde ich schwierig. Der Gedanke taucht schon auf, wenn man hier ist. Aber ich bin da unsicher. Der Bachmannwettbewerb kann potentiell auch eine unangenehme Veranstaltung sein. Das hat viel damit zu tun, dass man sich vor Fernsehbildschirmen einer ganz anderen Öffentlichkeit aussetzt, und der Wettbewerb dadurch eine Künstlichkeit oder Überspitztheit bekommt, auch seitens der Jury-Kritik. Man muss hier glaube ich noch mehr als sonst eine gute Portion Vertrauen zum eigenen Text mitbringen. Wenn ich das erreichen könnte, würde ich es wohl probieren. Konkret vornehmen tue ich mir das im Moment aber nicht. Fragt mich einfach am Sonntag nochmal, wenn der Bachmannpreis vorbei ist.

Lisa-Marie George und Katharina Graef