‚Keine Sprache ist besser als die andere’ – Diskussion über das Verlegen von Übersetzungen

Der Salon Weltempfang, das Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzungen, steht im Zeichen des gegenseitigen Verstehens. Das gemeinsame Projekt der Buchmesse und des Auswärtigen Amts möchte ein kulturelles Verständnis füreinander fördern und einen interkulturellen politischen Dialog gestalten. Wie können Übersetzungen dazu beitragen? Das diskutieren am Buchmessen-Freitag vier Verleger, die sich das Publizieren von Übersetzungen zur Aufgabe gemacht haben.

Es geht den Verlegern Laure Leroy, Ra Page, Neeta Gupta und Laura Huerga Ayza jedoch weniger darum, durch das Übersetzen von anglo-amerikanischen Thrillern auf eine sichere Leserschaft zu bauen, sondern das Übersetzen entspringt einem eher politisch-ideologischen Interesse. So hat sich der Verlag Comma Press von Ra Page nach Trumps Einreisestopp dazu entschlossen, seinen Fokus auf genau diese Länder zu richten und Kurzgeschichten u.a. aus dem Iran, dem Irak und  Somalia ins Englische zu übertragen. Das Spannende: Während Laure Leroy aus Paris und Ra Page aus Manchester marginalisierte Literaturen durch ihre Übersetzung ins Englische und Französische einer breiteren (westlichen) Leserschaft zuführen, liegt der Schwerpunkt bei Neeta Gupta aus Dehli und Laura Huerga Ayza aus Barcelona darauf, die jeweilige Zielsprache- und Kultur durch die Übersetzung zu stärken, in diesem Fall das Katalonische bzw. eine der etwa zwanzig indischen Regionalsprachen.

So oder so, die Herausforderungen, denen sich die Verleger stellen, sind ähnlich. Zunächst geht es einmal darum, einen geeigneten Übersetzer zu finden. Das kann bei Kombinationen wie Tamilisch-Französisch durchaus schwierig sein. Laure Leroy erzählt, dass sie ein tamilisches Manuskript, dessen grobe Übersetzung ihr im Englischen vorlag, nun durch zwei Übersetzer gemeinsam und mithilfe des Autors ins Französische überträgt. Trotz des höheren Aufwandes und der längeren Zeitspanne, die das Übersetzen in Anspruch  nimmt, ist sie sich sicher: „The work is worth it.“

Die Verleger sind dabei nicht nur Verleger, sondern agieren auch als Agenten von unbekannten Autoren oder arbeiten journalistisch. Während der Bombardierung des Gaaza-Streifens hat Ra Page seine dort lebenden Autoren gebeten, ihre Situation zu schildern und die Antworten dann auf einem Blog veröffentlicht. Neeta Guptas Ziel ist es zunächst, den nationalen Dialog in Indien zu stärken ohne dabei von Englisch als Mittlersprache abhängig zu sein. Denn „no language is better than the other“, resümiert Laura Huerga Ayza den allgemeinen Konsens. Auch weniger weit verbreitete Sprachen und auch weniger zielgruppenzugeschnittene Literatur sind es wert, verlegt, gelesen und gehört zu werden.

Tabea Horst