Pia Stendera über die Veranstaltung „Buchhandel gegen rechts“

 

Die deutsche Buchbranche gilt üblicherweise als eher unpolitisch. Seit einiger Zeit zeichnet sich ein entgegengesetzter Trend ab: Bereits auf der Frankfurter Buchmesse war eine Politisierung der Branche durch zahlreiche Protestformen gegen die Messebeteiligung rechter Verlage spürbar. Auch in Leipzig zeigen neben den aktiv Protestierenden zunehmend Verlage unter dem Motto #verlagegegenrechts Gesicht. Das gleichnamige Aktionsbündnis aus über 80 Verlagen und 200 Einzelpersonen richtet auf dieser Buchmesse zahlreiche Veranstaltungen zur Thematik aus.

 

Am Auftakttag bildet sich gegen 16 Uhr eine große Traube um das taz.studio – die angekündigte Veranstaltung: „Buchhandel gegen rechts“. Im Gespräch sind Jörg Braunsdorf, der Inhaber der bekannten Berliner Tucholsky-Buchhandlung, Lisa Mangold, die Leiterin der Initiative Verlage gegen Rechts und Daniel Kraft, Pressesprecher der Bundeszentrale für Politische Bildung. Gemeinsam mit der stellvertretenden taz-Chefredakteurin Barbara Junge gehen sie der Fragen nach, wie Verlage und die Messe auf rechtsradikale Tendenzen in Verlagen reagieren könnten und sollten. Denn nach wie vor gibt es zwar viele Analysen zum Thema „Umgang mit Rechten“, bei der Planung der Buchmesse wurden diese bisher allerdings nicht berücksichtigt, bemerkt Mangold. In diesem Jahr lief vieles anders, als in den vergangenen, was vermutlich auch an den Ausschreitungen auf dem Frankfurter Pendant der Messe zurückzuführen ist. Daniel Kraft sieht die Leipziger Messe als aktiver an, da sie – bereits seit Jahren – unter Einbeziehung der BzPB versucht Politische Bildung sichtbarer zu machen und vermehrt Diskussionsräume zu schaffen. Doch wie weit kann man mit Rechten diskutieren und wo ist die Grenze?

 

Durch den Buchhandel ist Jörg Braunsdorf sehr nah an der Diskussion und schätzt Intiativen wie die Mangolds als „Inseln einer demokratischen Diskussionskultur“. Jedoch sollte man seiner Meinung nach differenzieren. Rechte können viele Gesichter haben: CDUler sein, Parteilose mit konservativem Weltbild oder ökolibertäre auch Grüne. Die Ansichten und Aktionen Identitärer, Hooligans und Freier Kameradschaften hingegen sieht Braunsdorf als faschistuid, und somit nicht diskutierbar an, denn

„mit einem intelligenten Rechten kann ich diskutieren, mit einem Faschisten nicht“.

Auch Mangold bemerkt, dass es ab einem gewissen Punkt häufig an Argumenten fehle, auf dessen Grundlage eine Debatte möglich sei. Der Wunsch bleibt geschlossen: Auf der Grundlage von Argumenten eine Debatte zu führen, die sich nicht an der üblichen „roten Linie“ entlang zieht – ein wirklicher Austausch und Dagegenhalten anstatt „nur nein zu sagen“.