,

JVM Stuttgart meet HDM – Berufsbilder im Verlagswesen

Die Hochschule der Medien (HDM) in Stuttgart bietet den Studiengang Mediapublishing an. Um den Studierenden Einblicke in ihr zukünftiges Berufsfeld zu bieten, kamen JVM und HDM zusammen. Am 06. April 2017 trafen wir uns im Restaurant „Rote Kapelle“ – und nach einer gemütlichen Kennenlernrunde mit Tapas und Drinks starteten die Roundtable-Gespräche. Berufstätige JVMler gaben in einem Speedmeeting Einblicke in ihren Berufsalltag:

Marketing: Tanja Herkert, Leiterin Marketing und Business Development, Dolde Medien Verlag

Kerngeschäft des Dolde Medien Verlages sind Zeitschriften – das Portfolio wächst stetig. Die wichtigen Marketingkanäle werden von drei Mitarbeiterinnen bespielt. Tanja erklärt, dass Marketingmaßnahmen im Print und auf Veranstaltungen längere Rücklaufzeiten haben als das schnelllebigere Online-Marketing. Während sich Werbeerfolge im Online-Marketing sehr zeitnah messen lassen, laufen Printkampagnen über einen deutlich längeren Zeitraum. Zum Online-Marketing gehören die Facebook-Kampagnen – Facebook-Ads werden geschaltet, um Zeitschriftenabonnementen zu gewinnen. Instagram wiederum ist geeigneter für Imagekampagnen. Ihr Team verfolgt monatliche Ziele, u. a. Anzahl Neuabonnenten, Umsatz Shopprodukte etc. Reporting und Evaluation der gelaufenen Kampagnen sind hierbei wichtig, um die Kampagnen für den nächsten Monat zu planen. Das Online-Marketing wächst, sodass sich hier neue berufliche Chancen für den Nachwuchs ergeben.

Vertrieb/Presse: Sophia Wittwer, av edition

av edition ist auf die Publikation von hochwertigen Architektur- und Designbüchern spezialisiert. Eine wichtige Aufgabe der Vertriebsarbeit hier ist für Sophia die Zusammenarbeit mit der Auslieferung. Internationale Bestellungen werden von ihr angenommen und weitergeleitet. Sie setzt den Verlagskatalog bzw. die Verlagsvorschau in InDesign und versendet diesen an den Buchhandel. Auch die Vertreter versorgt sie mit den Verlagsvorschauen – als pdf und print, je im April und November. Diese erhalten sie bei den Vertreterversammlungen, welche Sophia plant. Außerdem sind viele Auswertungen im Vertrieb zu erledigen u.a. der Vertriebswege: Anteile der Firmenkunden, der Barsortimente, des Handels und des Direktvertriebes über den Webshop. Bisher ist av edition noch nicht bei Amazon Advantage. Das würde mehr Kontrolle über die bibliografischen Angaben dort und ein schnelleres Hochladen von geänderten Covern bieten, doch die Konditionen rechnen sich eher für größere Verlagshäuser. Weiterhin organisiert sie den Messestand in Frankfurt und ist auch vor Ort dabei, um sich mit den Vertretern zu treffen.

(c) Janina Vogel

Produktmanagement/Lektorat: Johanna Jiranek, Lektorin, ehem. Berliner Wissenschafts-Verlag; Janina Vogel, Produktmanagerin, frechverlag

Die Schwierigkeit beim Berufsbild Produktmanagement/Lektorat ist, dass jeder Verlag hier eigene Definitionen hat und die Aufgaben und Kompetenzbereiche stark variieren. Ein Fachverlag agiert außerdem anders als ein Publikumsverlag.

Als Lektor ist man einerseits für die Autorenakquise zuständig, für die man im Fachverlag zum Beispiel Tagungen besucht. Dazu gehört Verkaufstalent, um die Vorteile des eigenen Verlags herauszustreichen, und keine Scheu, auf Leute zuzugehen. Für Reihen wiederum bestehen fixe Kooperationen, sodass hier Manuskripte regelmäßig eingehen. Im Wissenschaftsbereich sind Druckkostenzuschüsse üblich, d.h. der Autor beteiligt sich an den Druckkosten. Dies ist in der Buchkalkulation zu berücksichtigen. Der Autor kann Stipendien für eine Bezuschussung zu den Druckkosten beantragen. Sind die Vertragsverhandlungen abgeschlossen und der Vertrag unterschrieben, wird das Manuskript an die Herstellung geliefert. Es wird eine Umbruchkorrektur durchgeführt und die Freigabe durch den Autor eingeholt. Das Verhandeln von Druckangeboten und die Vergabe des Druckauftrags können in der Herstellung oder im Lektorat angesiedelt sein. Der wissenschaftliche Lektor, manchmal auch project editor genannt, liest seltener Texte. Vielmehr ist die Koordination der Buch- und Zeitschriftenprojekte gefragt, weshalb man im Wissenschaftsverlag eine größere Anzahl an Titeln betreut. Außerdem müssen die Metadaten gepflegt und die Klappentexte der Autoren überarbeitet werden.

Im Produktmanagement beim frechverlag wiederum schreibt Janina die Klappentexte selbst. Außerdem gehört das Lesen von Texten zu ihren Hauptaufgaben. Dabei entscheidet sie, ob sie ggf. Texte an Externe vergibt. Die komplette Koordination des Buchprojektes ist ihr Schwerpunkt. Dies beinhaltet die Kalkulation sowie die Beschaffung der Fotos und der Modelle. Pro Halbjahr koordiniert sie 10–12 Bücher. Dabei ist sie der Knotenpunkt zwischen Autor, Herstellung, Marketing und Vertrieb. Ihre Bücher rechtzeitig bei der Herstellung anzumelden ist dabei wichtig, da die sechs Hersteller an die 200 Bücher pro Jahr zu bearbeiten haben. Alle Ideen und Konzepte für neue Titel werden vom Produktmanager bei den Programmsitzungen eingebracht.

Freies Lektorat: Cornelia Thoellden, freie Lektorin u. a. für Baedeker und ENDURO Mountainbike Magazine

Als freie Lektorin und Redakteurin hat sich Cornelia direkt nach dem Germanistikstudium selbstständig gemacht – erfolgreich! Die Textarbeit ist ihr eine Herzensangelegenheit, sodass sie als freie Lektorin ganz in ihrem Element ist. Am Anfang steht immer eine Bestandsaufnahme: Was braucht der Text? Muss irgendwo gekürzt, umformuliert oder präzisiert werden? Zu guter Letzt erfolgt mit der Korrektur von Rechtschreibung, Grammatik und Formalia der Feinschliff. Zu ihren Kunden gehören Baedeker (Reiseführer), die digitalen Special-Interest-Magazine ENDURO Mountainbike Magazine und GRAN FONDO Cycling Magazine und der Mitteldeutsche Verlag – dort arbeitet sie an Sachbüchern mit, z. B. über „Weihnachten in der DDR“ oder „Spuren des Kalten Krieges“. Sie arbeitet eng mit den Autoren zusammen, um das Bestmögliche aus dem Text herauszuholen. Letztendlich entscheidet jedoch der Autor, denn er soll sich weiterhin voll und ganz mit seinem Text identifizieren können. Cornelia arbeitet sich immer wieder in neue Themengebiete ein und lernt dadurch jeden Tag etwas dazu. Zum Austausch mit Kollegen, zur ständigen Weiterbildung und gegenseitigen Unterstützung zwischen Freiberuflern ist Cornelia Mitglied im Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) und dort seit Kurzem auch Regionalsprecherin.  Im Lektorenverzeichnis ist sie mit Foto und ihrer Homepage gelistet – viele Neukunden finden den Weg so zu ihr. Sie empfiehlt auch jedem Freiberufler, sich den jeweils passenden Berufsverband einmal genauer anzuschauen, ob es nun ein Verband für Texter, Übersetzer oder Grafikdesigner ist.

Herstellung: Sarah Schäfer, Herstellerin Bücher/Zeitschriften, Franz Steiner Verlag (Verlagsgruppe Deutscher Apotheker Verlag)

Als ehemalige Studentin Mediapublishing konnte sich Sarah sehr gut in die Fragen des Nachwuchses hineinversetzen. Ihre Aufgaben beim geisteswissenschaftlichen Fachverlag Franz Steiner erfordern viel Selbstständigkeit und Eigenverantwortung.

Neben der Autorenbetreuung, Projektkoordination, Kalkulationserstellung und Angebotseinholung bei den Druckereien gehört der Satz in InDesign zu ihren Aufgaben. Dabei kann sie selbst entscheiden, ob sie selbst den Titel übernehmen oder einen externen Setzer beauftragen möchte. Bei den Kalkulationen sind aufgrund des Verlagsmodells auch Stiftungskalkulationen zu erstellen (bspw. Deutsche Forschungsgemeinschaft, VG Wort etc.). Beim Franz Steiner Verlag erscheinen ca. 180 Titel pro Jahr (inklusive Kommission), davon ca. die Hälfte als Druckvorlage, der Rest kommt als Manuskript und wird in InDesign gesetzt. Die Autoren erhalten eine Word-Formatvorlage, mit deren Hilfe sie dann die Druckvorlage erstellen. Als Herstellerin kontrolliert Sarah dann das Layout.

Auch die Pflege der Titeldaten im Verwaltungssystem Klopotek, welches in der Verlagsgruppe eingesetzt wird, ist wichtig. Ebenfalls ein Bestandteil der Aufgaben ist die Aufbereitung der Daten für die eLibrary. Die größten Kunden sind Bibliotheken, die die Produkte auch digital vorhalten möchten – hierfür werden spezielle Pakete aufbereitet. Neben dem Tagesgeschäft gehören aber auch immer wieder verschiedene Projekte zum Aufgabenbereich wie gerade bspw. das Thema Satzautomatisierung oder ein System für die Metadatenpflege. Vor kurzem wurde außerdem das Layout aller Zeitschriften gerelauncht, sodass es jetzt einheitlich ist.

 

Bericht von Jana Rahders

06.04.17

 

Facebooktwitter
0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*