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JVM Leipzig im Gespräch mit Bert Petzold vom Amor Verlag über die Digitalisierung und Internationalisierung des Verlagswesens

„Die Frage ist nicht, ob Print verschwindet, sondern wie schnell.“

Am 28. Juni 2016 trafen sich die Leipziger Jungen Verlagsmenschen mit Bert Petzold, dem Geschäftsführer des Amor Verlags. Bert Petzold begann seine Karriere einst auch an der HTWK Leipzig. Nachdem er in verschiedenen Bereichen der Medienbranche gearbeitet hatte, führte ihn sein Weg zurück in die Buchstadt, wo er 2007 den Amor Verlag gründete. Der Hörbuchverlag hat unter anderem Märchen, Dramen, Opern und All-Age-Produktionen im Programm. Besonders bekannt ist die Klassik-Box „Große Oper für kleine Hörer“, die der Verlag zusammen mit der ZEIT herausgegeben hat. Weitere erfolgreiche Hörbücher in seiner Karriere waren zudem: „Alles ist erleuchtet“ von Jonathan Safran Foer, Yann Martels „Schiffbruch mit Tiger“ und „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann.

An dem Abend im Café Grundmann sollte es um die Themen Digitalisierung und Internationalisierung gehen. Zunächst stellte Herr Petzold klar: Die Digitalisierung als plötzliche Erscheinung gebe es nicht, es sei nur so, dass verschiedenste Prozesse, die früher analog stattfanden, nunmehr digital ablaufen. Das bedeutet, die meisten Medienprodukte liegen zunächst ohnehin digital vor, und werden erst im zweiten Schritt in ein physisches Produkt umgewandelt. Zukünftig werde es sie nur noch digital geben, so Petzold. Vor allem textreiche Produkte eignen sich dafür, doch auch illustrierte Bücher, wie etwa Kinderbücher, werden dem Verleger zufolge möglicherweise nur noch etwa 10 bis 15 Jahre in gedruckter Form vertrieben werden.

Datenmanagement lautet somit eine wichtige Aufgabe für alle Verlage. Digitale Inhalte und die dazugehörigen Metadaten müssen angelegt und verwaltet werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass Inhalte medienneutral vorrätig gehalten werden, damit aus ihnen die unterschiedlichsten physischen Produkte generiert werden können. Bibliothekare sind laut Petzold besonders gut dafür qualifiziert, das Datenmanagement zukünftig zu übernehmen.

Neben dem Aspekt des Datenmanagements geht der Verleger davon aus, dass die zunehmende Dynamisierung des Markts zur Auslagerung von Prozessen und zur Bildung externer Strukturen führen wird. Das Verlagswesen werde schrumpfen, sich weiter professionalisieren und letztlich nur noch das Kernbusiness enthalten.

Welche wichtigen Entwicklungen gibt es speziell auf dem Hörbuchmarkt? Hörbuchverlage leben davon, Lizenzen so günstig wie möglich einzukaufen und dann auch erfolgreich zu verkaufen. Beim Amor Verlag werden Lizenzen beispielsweise vom Vertriebspartner Gerstenberg eingekauft. Wichtig sei es, selbst Rechteinhaber zu werden und eigene Inhalte zu produzieren, wie Texte, Musik und sogar Geräusche. Petzold glaubt zudem, dass die Animierung von Hörstücken immer wichtiger werde. In Zukunft findet hier also eine Verschmelzung mit dem Trickfilm statt.

Mit diesen Aussichten entließ uns Herr Petzold in den Abend, der für etwa 90 Minuten die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden bekam.

 

 

Johanna Cantzler