Jobs in der Verlagsbranche: Will do – can do oder nur nice to have?

von links nach rechts: Pleintinger, Lange-Wissinger, Firsching, Weichselbaumer  ©  Laura Krause

von links nach rechts: Pleintinger, Lange-Wissinger, Firsching, Weichselbaumer © Laura Krause

Headhunting, Praktika oder Volontariat – der Einstieg in die Buchbranche kann sich auf ganz unterschiedliche Weise gestalten und ist dabei ein großes Ziel so vieler BerufsanfängerInnen und Studierender. Ist eine Anstellung im Verlagswesen einfach nur nice to have, unrealistische Utopie oder gelingt der Brancheneinstieg nach dem Motto will do – can do doch ganz easy?

Mit dem Thema „Headhunter oder Volontariat? – Recruitingstrategien einer Branche im Wandel“ wurde die Podiumsdiskussion unter der Moderation von Nikolaus Weichselbaumer (Institut für Buchwissenschaft der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz) mit drei VertreterInnen der Branche am Nachmittag des Karrierefreitags 2015 in Halle fünf der Leipziger Buchmesse aufgenommen. Susanne Lange Wissinger (Inhaberin SLW-Consult), Gabriele Firsching (Human Resources Development, Springer Science+Business Media) und André Pleintinger (selbstständiger Projektmanager) stellten sich den Fragen des Moderators sowie des Publikums und waren auch im Anschluss der Diskussion für ein persönliches Gespräch und konkrete Nachfragen offen.

Während der Diskussion wurde schnell deutlich, dass es nicht etwa, wie der Titel der Veranstaltung impliziert, um Möglichkeiten von Recruiting und Berufseinstieg gehen sollte, sondern dass die ReferentInnen von einer Erzählsituation ausgingen, in der BerufseinsteigerInnen bereits eine Anstellung in einem Verlag innehaben. Im Folgenden wurde von den persönlichen Situationen und der Förderung des Personals in der eigenen Firma berichtet. Doch inwiefern der Einstieg in die Branche gelingen kann oder was es neben den wenigen, begehrten Volontariatsplätzen noch für Möglichkeiten gibt, wurde nicht thematisiert. Auch der branchenübergreifende Begriff ,,Headhunter‘‘ fand während des gesamten Gesprächs nicht einmal Erwähnung.

Schön wäre es gewesen, wenn sich Moderator und ReferentInnen auf das angekündigte Thema der Veranstaltung konzentriert hätten. Vor allem, da mit einer anfänglichen Rückfrage Weichselbaumers an das Publikum schnell deutlich wurde, dass dieses zu 80 Prozent aus Studierenden, und damit potentiellem Nachwuchs der Branche bestand. Erst mit Kritik aus dem Auditorium kam die Diskussion um 14:30 Uhr tatsächlich auf ein paar interessante Aspekte des Recruitings zu sprechen – eine halbe Stunde nach Veranstaltungsbeginn jedoch eindeutig zu spät. Somit blieb nicht mehr viel Raum für eine konkrete Auseinandersetzung mit der Thematik und die Vortragenden hielten sich mit englischen Phrasen wie will do – can do oder training on the job sehr allgemein in ihren Ausführungen.

Es wäre vermutlich hilfreich gewesen, die Interessen des Publikums bereits zu Beginn der Veranstaltung zu erfragen, den Wandel der Branche nicht nur mit dem Hinweis auf digitale Neuerungen abzudecken und sich konsequent an das Thema zu halten. Dennoch kann der Gedankenaustausch zwischen den Podiumsgästen als interessanter Einblick in die Welt von Büchern und Verlagen gewertet werden und als gute Möglichkeit, mit den Vortragenden in Kontakt zu treten. Dank sollte den geladenen Gästen nicht nur für ihr Engagement, sondern auch für ihre Bereitschaft gebühren, sich in den öffentlichen Meinungsaustausch mit dem Nachwuchs einzubringen.

Zwischen den Zeilen ließen sich letztlich auch ein paar wünschenswerte Qualitäten potentieller, künftiger ArbeitnehmerInnen und BewerberInnen heraushören: Enthusiasmus und Spaß an dem, was man tut, zu entwickeln, das eigene Profil genau zu kennen, Engagement und Netzwerkaufbau schon vor und während des Studiums zu betreiben und letztlich die (digitalen) Entwicklungen der Buchbranche genau zu beobachten.

 

Laura Krause