„Gute Bücher werden sich durchsetzen“ – Was macht eigentlich eine Literaturagentin?

Während der Frankfurter Buchmesse führt sie in der Regel von morgens bis abends Gespräche mit nationalen und internationalen Verlegern im 30 Minuten-Takt: Dr. Astrid Poppenhusen von der Agentur Poppenhusen. Trotzdem nimmt sie sich Zeit, um im Gespräch mit Wolfgang Tischer (literaturcafe.de) Fragen rund um die Arbeit einer Literaturagentin zu beantworten.

Wenn man als Autor*in mit der Agentur in Kontakt kommen möchte, sollte man den offiziellen Weg übers Internet wählen – sonst mache man sich unbeliebt, so Poppenhusen. Auf der Homepage finden sich detaillierte Auswahlkriterien und Formalia für die Einsendung eines Manuskriptes.

Neue Autor*innen findet Dr. Astrid Poppenhusen nicht nur über ihre Kontakte, sondern vor allem durch eingesandte Manuskripte. Pro Tag werden zwischen 5-10 Manuskripte geschickt; dabei ist eine gute und passgenaue Vorbereitung besonders wichtig und „eigentlich selbstverständlich“, denn die Sichtung sei ja dann auch „gratis“. Vor allem freut sie sich, wenn der Einsender in seiner Mail Bezug zur Agentur herstellt und somit beweist, dass er sich im Voraus informiert hat.

Schön sei es auch, wenn der Autor / die Autorin sich bereits ein Renommee erarbeite, beispielsweise durch Stipendien, die Teilnahme an Wettbewerben oder über Autorenwerkstätten. Außerdem sollte der Text möglichst fertig geschrieben und bearbeitet sein, denn meist gilt das „one shot“-Prinzip, es ist also nur eine Einsendung möglich und es gibt keine zweite Chance für einen bereits eingesandten Text.

Wie sieht eine konkrete Zusammenarbeit aus?

  • Zunächst wird das komplette Manuskript erfragt
  • Bei Interesse am Manuskript folgt ein persönliches Kennenlernen von Autor*in und Agent*in
  • Schließung eines Literaturvertrages (15 % aller Einkünfte aus den geschlossenen Verträgen gehen nach erfolgreicher Vermittlung an die Agentur – niemals sollte man im Voraus für die Arbeit einer Agentur bezahlen, rät die Agentin)

Agentur als Mittler zwischen Autor*in und Verlag

Die Agentur bietet den Text des Autors unterschiedlichen Verlagen an. Dabei gibt es im Idealfall eine Auktion, bei der mehrere Verlage bieten. Die Lektüre von Manuskripten ist ein Arbeitsschritt, der in den letzten Jahren vor allem in größeren Verlagen immer weniger passiert. Die Verlage hegen durchaus Hoffnung für die Angebote, welche die Agenturen ihnen machen.

Dr. Poppenhusen betont, dass sich die Agentur als Mittler zwischen Autor*in und Verlag sieht und dabei die Interessen des Autors im Vordergrund stehen. „Ich frage mich, welcher Verlag passt am besten zum Manuskript und wo sehe ich die besten Chancen für den Text“, sagt sie. Das beste Angebot müsse dabei jedoch keineswegs das des größten Verlages sein, wie man vielleicht zunächst annehmen mag.

Die Agentin legt viel Wert auf eine gründliche und umfassende, persönliche Vertretung ihrer Autor*innen und vertritt daher wenige Klienten, setzt sich dafür jedoch intensiv für die von ihr betreuten Projekte ein.

„Gute Bücher werden sich immer durchsetzen“

Nach welchen Kriterien sich Frau Dr. Poppenhusen für einen Text entscheidet, fragt eine Frau aus dem Publikum. Darauf gebe es nicht die eine Antwort, es kämen vielmehr ganz unterschiedliche Faktoren zusammen – erkennbar müsse jedoch auf jeden Fall die Absicht der Autor*innen sein, sich sichtbar an ihre Leser*innen zu wenden, eine Geschichte zu erzählen. Doch auch wenn man bei einer Agentur keinen Erfolg habe, ermutigt die Agentin: „Gute Bücher werden sich immer durchsetzen, davon bin ich überzeugt.“

 

Weiterführende Links:

http://www.agentur-poppenhusen.de/de/

 

Olivia Hotz