Gezeichnetes Leben: Karl Mendelssohn Bartholdy

Buchpräsentation: Elke Renate Steiner: »Die anderen Mendelssohns: Karl Mendelssohn Bartholdy« – Die Unabhängigen, Halle 5, Stand E309

Buchpräsentation: Elke Renate Steiner: »Die anderen Mendelssohns: Karl Mendelssohn Bartholdy«
– Die Unabhängigen, Halle 5, Stand E309

Mit »Die anderen Mendelssohns: Karl Mendelssohn Bartholdy« (Reprodukt, März 2015) stellt die Autorin und Zeichnerin Elke Renate Steiner ihre zweite Arbeit über die »schwarzen Schafe« der Familie Mendelssohn vor. Der erste Band (Reprodukt, 2004) beschäftigt sich mit Dorothea Schlegel und Arnold Mendelssohn. Steiners Comics über die Familie Mendelssohn rücken die »vergessenen« Nachfahren der berühmten Familie Mendelssohn und deren Biographie in den Fokus.

Karl Mendelssohn Bartholdy (1838-1897), Sohn von Felix Mendelssohn Bartholdy, war Historiker. Sein Hauptwerk beschäftigt sich mit der Geschichte Griechenlands.
In seinem Leben gab es einige Bruchstellen: Früh verwaist, litt er unter der Vormundschaft seines Onkels. Entgegen den familiären Konsens sympathisierte er mit dem Freiheitskampf der Griechen und hatte eine Abneigung gegen den preußischen Militarismus. Er verlor seine erste Frau im Kindbett, seine zweite Frau hatte eine Totgeburt. 1873 brach Karl zusammen und kam in eine psychiatrische Einrichtung in Görlitz, wo bei ihm Katatonie diagnostiziert wurde. In der psychiatrischen Klinik in Königsfelden (Schweiz) starb er 1870.

Steiner erzählt Karls Geschichte auf zwei Ebenen: Die Rahmenhandlung bildet die Zugreise von Görlitz nach Königsfelden. Der an Katatonie leidende Karl kann sich nicht mehr artikulieren, Steiner lässt deshalb seine Begleiter, den Bruder Paul Mendelssohn Bartholdy und den Krankenpfleger Thiel, zu Wort kommen. Rückblenden sind aus Karls Perspektive erzählt.

Diese Zwei-Teilung spiegelt sich auch im Coloring wieder. Der Comic ist zweifarbig mit einem weichen Pinselstift gezeichnet: Die Rahmenhandlung ist schwarz-weiß, die Rückblenden blau-weiß koloriert. Die Farben der Rückblenden erinnern an Karls Leidenschaft, Griechenland: das Meer, die Flagge.

Berninger3Bemerkenswert ist Steiners intenstive und detailverliebte Recherche, sie fährt beispielsweise nach Görlitz in die Klinik, in der Karl behandelt wurde, macht die Mütze, die er als Burschenschaftler trug, ausfindig und arbeitet sich in Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts ein. Dabei ist kein Sachbuch entstanden, sondern ein biographischer Comic, der das Leben, die Brüche und Krisen eines sensiblen Menschen erzählt.

Am Donnerstag Abend um 19.30 stellt Elke Renate Steiner ihren Comic mit musikalischer Begleitung von Maya Malysch im Mendelssohn-Haus vor.

Franziska Berninger