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„Eine Mentorin im Rücken zu haben, verpflichtet“

Das OrganisationsteamRund 80 BücherFrauen waren am 19. und 20. Juni nach Stuttgart gekommen, um am ersten bundesweiten Mentoring-Kongress teilzunehmen. Auch einige Mitglieder der Jungen Verlagsmenschen waren dabei, als das zehnjährige Jubiläum des Mentoring-Programms, das ein wichtiger Teil der Arbeit der BücherFrauen ist, gefeiert wurde. Schirmherrin war die Münchner Verlegerin Dr. Rosemarie von dem Knesebeck, die in ihrem Grußwort das Erfolgsgeheimnis des Projekts auf den Punkt brachte: „Eine Mentorin im Rücken zu haben, verpflichtet.“

Dr. Rosemarie von dem Knesebeck© Berhold Steinhilber

Dr. Rosemarie von dem Knesebeck
© Berhold Steinhilber

Im Rahmen des Mentoring-Programms, das 1999 in München ins Leben gerufen wurde, werden Paare zwischen einer weniger berufserfahrenen und einer „gestandenen“ Frau im Verlagswesen gebildet. Ein Jahr lang treffen sie sich in regelmäßigen Abständen, um anstehende fachspezifische Fragen zu klären. Sowohl die (ehemaligen) Mentees als auch die Mentorinnen zeigen sich im Laufe des Kongresses begeistert über die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit. So berichtet die Mentee Dr. Ingrid Honold, Marketingleiterin am Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau in Stuttgart, dass sie in ihrer Arbeit „nicht mehr bei Null anfangen musste“, sondern von den Erfahrungen ihrer Mentorin Hannelore Jouly (ebenfalls aus Stuttgart) profitieren konnte. Diese ihrerseits betont, sie habe auch einiges von ihrem Schützling gelernt. Welche Fragestellungen die beiden Frauen nun aber konkret behandelt haben, geben sie mit Hinweis auf das Vertrauensverhältnis in dieser Beratungssituation nicht preis.

Auf dem erstmalig stattfindenden Mentoring-Kongress feierten die Bücherfrauen, deren Netzwerk bereits seit 1990 besteht, nicht nur, sondern arbeiteten auch inhaltlich. Am Freitag Abend präsentierte Kabarettisten Maren Kroymann mit ihrer Band das Programm „Gebrauchte Lieder“ und begeisterte das ausschließlich weibliche Publikum unter anderem mit Songs von Elvis Presley und Aussagen wie „Aber heißt Frauensolidarität nicht auch, dass man sich was abgucken kann?“.

Am Samstag wurde in mehreren Vorträgen über die Zukunft der Verlagsbranche gesprochen. Als Lösungsvorschläge im Umgang mit der Krise stellte Kerstin Emrich von der Universität Erlangen-Nürnberg die genaue Analyse der Zielgruppen in den Vordergrund, während Martina Flessenkemper (Langenscheidt KG) die Etablierung einer Marke als Qualitätsprodukt empfahl. Monika Kolb-Klausch, Geschäftsführerin der Buchhändlerschule in Frankfurt am Main, gab in ihrer Präsentation sogar Anlass zum Optimismus, da qualifiziertes Personal immer gesucht werde. Allerdings riet sie, dass man bereit sein müsse, „lebenslang zu lernen“. Beendet wurde der Kongress mit einem Rückblick auf die bisherigen Erfahrungen beim Mentoring-Programm. Diplom-Psychologin und Coach Heike Czwalina rief dabei die Teilnehmerinnen zum aktiven Mitmachen auf und ließ in Kleingruppen möglichst konkrete Vorschläge für die zukünftige Arbeit der BücherFrauen entwickeln.

Zum Kongress waren nicht nur Mentorinnen und Mentees gekommen, sondern auch zahlreiche neue Interessentinnen. Das Organisationsteam zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und Frauke Ehlers hofft auf positive Resonanz: „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit diesem Event ein neues Forum für die BücherFrauen mit neuen Möglichkeiten der Vernetzung innerhalb und außerhalb der Branche geschaffen haben.“

Katrin Schroth