Ein Jugendbuch über Grönland, den Klimawandel und Selbstfindung

Cornelia Franz (© Ulrike Christine Wittmann)

Cornelia Franz
(© Ulrike Christine Wittmann)

Wie soll man die Handlung eines Romans, an dem man ein Jahr lang geschrieben hat, in wenigen Sätzen zusammenfassen? Cornelia Franz muss nachdenken. Ihr neues Buch „Ins Nordlicht blicken“ ist so vielschichtig, dass er sich nicht mal eben so nacherzählen lässt.

Die Autorin hat zwei Zeit- und Handlungsebenen miteinander verwoben: Die Geschichte von Jonathan Querido, die im Jahr 2020 spielt, und die des siebzehnjährigen Pakku, die 2011 spielt. „Jonathan und Pakku erweisen sich schließlich als ein und dieselbe Person“, verrät Cornelia Franz, „aber auch, wenn man dieses recht bald erkennt, bleibt die Spannung erhalten.“ Jonathan, der im Jahr 2020 auf der MS Alaska nach Grönland fährt, hat Angst davor, die Insel im Nordmeer zu betreten, weil ihn ein dunkles Geheimnis mit diesem Land verbindet. Nach und nach wird deutlich, warum Jonathan so in Panik gerät. Denn vor neun Jahren hat er Grönland als Pakku auf der MS Alaska verlassen – und dabei das Leben eines anderen Menschen zerstört.
Vielschichtig wie die Geschichte ist auch das Bild, das die Autorin von der nahen Zukunft entwirft: Der Klimawandel lässt das Gletschereis immer stärker schmelzen, wovon die Menschen in Grönland zwar profitieren, wodurch sie aber auch ihren traditionellen Lebensraum verlieren. Und so ganz nebenbei wird in den Roman eingeflochten, dass New York durch gewaltige Überschwemmungen zerstört wurde.
„Ins Nordlicht blicken“ ist eine Geschichte um die Frage nach Schuld und Selbstfindung, ein Roman für ältere Jugendliche und Erwachsene, der sich aber ebenso als Schullektüre eignen würde, um einen spannenden Einstieg in das Thema Klimawandel zu bieten. Und natürlich ist es auch ein Buch über die faszinierende Insel Grönland, die Cornelia Franz übrigens erst am Ende des Schreibprozesses betreten hat. „Ich habe das Land erst mal per Internet und Lektüre bereist und bin dann den Spuren meiner Geschichte vor Ort gefolgt“, erzählt Cornelia Franz.

Ulrike Christine Wittmann