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Die Location des ersten eBook Camp Süd passte gut zum Stand des digitalen Publizierens in Verlagen: eine coole Baustelle mit einigen Provisorien. Aufbruchstimmung, schmutzige Fußböden und tolle Ideen. Der Veranstaltungsort, das Impact Hub in München-Sendling, wird nach seiner offiziellen Eröffnung nicht nur als Co-Working Space dienen, sondern auch als Werkstatt und Ort zum Austausch für soziale Unternehmer.

© Luka Maria Schuchard

Nach etwa einer Stunde im strahlenden Sonnenschein strömten die Teilnehmer in die Halle und warteten gespannt auf die Vorstellung der Sessions. Zunächst wurden Veranstalter und Sponsoren vorgestellt: der Börsenverein Bayern, das Mediennetzwerk Bayern, das Cluster Bayern Druck und Printmedien und der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP). Ute Nöth, Andrea Schlotfeldt und Felix Wolf, drei der Gründerväter und -mütter, waren aus Hamburg angereist. Etwas gerührt begrüßten sie die Teilnehmer und waren auch mal froh, den Sessions einfach nur zuzuhören und zu genießen.

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92 einleitende Worte später ging es ans Eingemachte: Alle neun Sessions wurden vorgestellt:

Von „Alles billig – eBook-Preise in Deutschland“ (Matthias Matting) über „eBooks, libros electrónicos, электронные книги – ein Blick auf verschiedene Märkte“ (Johanna Krobitzsch, Richard Haupt) und „eBooks und eBook-Reader im Buchhandel“ (Robert Stöppel) war einiges dabei, was das digitale Herz erfreut.

In meiner ersten Session „Digitalverlage und eBook-Reihen“ mit Jan Karsten stellte dieser eBook-Programme vor. Als Gäste hatte der CulturBooks-Verleger die Schriftstellerin und CulturBooks-Verlegerin Zoe Beck, den hey! Publishing-Programmleiter Jakob Meiner und Schriftsteller und Lektor Maximilian Dorner dabei. In seinem interessanten Vortrag veranschaulichte Karsten, welche Möglichkeiten der Programmgestaltung es in eBook-Verlagen bzw. -Reihen gibt. Er wies sowohl auf experimentelle Digitalverlage wie mikrotext und den Frohmann Verlag hin als auch auf eher am „klassischen“ Publikumsverlag orientierte Digitalverlage wie hey! Publishing und dotbooks. Jan Karsten und Zoe Beck berichteten von Konsens-Entscheidungen über Bücher und der Irrelevanz des Genres für ihre Entscheidung. Während des Vortrags entspann sich schon eine Diskussion: Braucht man überhaupt Verlage? Maximilian Dorner sprach sich dagegen aus, er tauscht sich mit anderen Autoren im Netzwerk Sarabande aus. Andere lobten die Infrastruktur und den Rahmen, den Verlage bieten, in dem sich Kreativität entfalten kann. Abschließend wurde sowohl über die Hürden (u. A. Mehrwertsteuersatz, DRM, Marktkonzentration) als auch über Chancen (u. A. Kurz- und Langformen, Updates, kürzere Produktionszeiten) des digitalen Publizierens diskutiert.

© Luka Maria Schuchard

Die Session „Zeitgemäßes Marketing für digitale Produkte“ (Luise Schitteck und Carina Waldmann von readbox) konnte ihrem sehr ansprechenden Titel leider nicht ganz gerecht werden. Die Beispiele und Tipps blieben relativ allgemein (Metadaten optimieren, adäquate Zielgruppenansprache). Die Meinungen über zeitgemäßes Marketing gingen in der Diskussion stark auseinander: Von „Bei Facebook kann man nichts verchecken, da sind nur Leute unter 30“ zu „Der Landwirt hat auf Facebook 106.000 Freunde!“ Einige amüsante Metadaten-Fail-Anekdoten wurden ausgetauscht, dann war wieder gemütliche Kaffeepause, auf die eine letzte Session zum Thema Lese-Apps folgte.

Insgesamt trotz teilweise etwas oberflächlicher Sessions (ein Ausschnitt – 3 aus 9) ein gelungenes Format, das nun endlich auch die Verlagsmetropole München erreicht hat. Das eBook Camp macht Lust auf Neues und bietet einen entspannten sowie unterhaltsamen Überblick darüber, was die Branche bewegt. Vor allem die Diskussionen und Erfahrungen der Sessionleiter und Teilnehmer machen das eBook Camp zu einer anregenden Veranstaltung. Die gute Nachricht für alle Nordlichter: Im November 2014 findet das eBook Camp wieder in Hamburg statt! Näheres demnächst unter: http://ebookcamp.wordpress.com/hamburg/

Luka Maria Schuchard