Dienstleister oder Wegweiser – wie politisch ist der Buchhandel?

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2017 kam es zu Tumulten und Auseinandersetzungen mit rechten Verlagen. Dementsprechend angespannt war die Lage vor der Leipziger Messe, denn auch dieses Mal waren rechte Verlage und Verleger eingeladen. Direkt zu Beginn, am Donnerstag dem 15. März 2018, diskutierten Buchhändler und Fachpublikum auf dem Forum Sachbuch des Deutschen Börsenvereins die Frage: „Wie politisch ist der Buchhandel?“.

Susanne Dagen vom BuchHaus Loschwitz aus Dresden , Manfred Keiper von „die andere Buchhandlung“ in Rostock und Michael Lemling von Lehmkuhl aus München kamen dabei auf die Fragen von Dr. Torsten Casimir (Börsenblatt) zu unterschiedlichen Ergebnissen: Sind wir Dienstleister, politischer Buchhändler oder Wegweiser für den Leser? Während sich besonders Manfred Keiper dagegen aussprach, neu-rechte Literatur zu führen, plädierten die anderen Teilnehmer für eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Debatte. Zwar müsse man bestimmte Titel nicht führen, könne sie aber durchaus bestellen. „Man muss den Diskurs mit diesen Themen aushalten“, sagte Michael Lemling.

Sachbuch im Fokus

Auch die Frage nach der wirtschaftlichen Notwendigkeit, die neue Literatur zu führen, stand zur Diskussion. „Natürlich stehe ich als Nischen-Buchhandlung unter wirtschaftlichem Druck“, sagte Manfred Keiper. Jedoch dürfe man nicht aus den Augen verlieren, dass Deutschland einen der freiesten Märkte der Welt habe – jeder könne für sich selber entscheiden, was er kaufen will. Einig waren sich jedoch alle in der Frage, dass das Sachbuch und die Neue Rechte in den letzten Jahren deutlich mehr Aufmerksamkeit erfahren hat. Gleichzeitig würden sich viele Kunden mit der Auswahl überfordert fühlen und nach Orientierung suchen – diese Lücke zu füllen sei auch eine Aufgabe des Buchhandels, fanden die Experten.

Diskussion um rechte Verlage

Schon im Vorfeld der Buchmesse war bekannt geworden, dass einige rechte Verlage wie Antaios bei der Leipziger Buchmesse ausstellen würden. Messedirektor Oliver Zille hatte diese Entscheidung der Organisatoren mit einem Hinweis auf die Meinungsfreiheit und dem öffentlichen Raum begründet, den die Ausstellung für alle bieten müsse. 65 Verlage und 160 Einzelpersonen hatten sich als Reaktion darauf zur Initiative „Verlage gegen Rechts“ zusammengeschlossen. Sie wollten mit einer Social Media Kampagne und Veranstaltungen vor und während der Buchmesse auf mögliche Gefahren der neuen rechten Literaturszene aufmerksam machen.

Die Diskussion auf dem Sachbuchforum war damit ein Teil des politisch aufgeladenen Diskurses, der schon eine Woche vorher für Gesprächsstoff sorgte: In einer Podiumsdiskussion zwischen den Autoren des Suhrkamp Verlags, Uwe Tellkamp und Durs Grünbein, hatte sich Tellkamp kritisch zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung geäußert und angemerkt, man könne solche Meinungen kaum tätigen, ohne als Rechter abgestempelt zu werden. Der Verlag hatte sich danach von den Äußerungen des Autors distanziert.

Diskurs suchen

Alle Teilnehmer der Diskussion waren sich einig, dass die angespannte Stimmung vor der Messe deutlich mache, wie notwendig eine Auseinandersetzung mit den Lesern sei. „Man muss den Kunden Veranstaltungen anbieten und mit ihnen diskutieren“, sagte Manfred Keiper im Zuge des Gesprächs. Die rechten Themen seien keinesfalls mehr auf einem Stand von vor 30 Jahren; damit müssten sich Händler wie Leser auseinandersetzen. „Gehen sie in die Schneise und die Debatte – sie werden gebraucht als Leser und Multiplikatoren“, schloss Susanne Dagen.

Foto und Text: Laura Heyer