Die Zukunft ist digital

Als Kooperationspartner der diesjährigen future!publish durften wir für euch am 26. und 27. Januar in Berlin dabei sein und einigen innovativen und interessanten Vorträgen und Workshops lauschen. Im Mittelpunkt des Kongresses standen die vielfältigen Herausforderungen, denen sich die Buchbranche im digitalen Zeitalter gegenüberstehen sieht. Ziel des Kongresses war es, neue Impulse zu wecken und Lösungswege vorzustellen, um diesen Herausforderungen des digitalen Wandels zu begegnen. Hier ein kleiner Ausschnitt für euch:

Digitales Publizieren als Qualitätsfrage

Die diesjährige future!publish wurde mit einer Keynote von Stephan Porombka eröffnet, dem Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste in Berlin.

Porombka sieht die Buchbranche vor ähnlichen Problemen und einer Online-Revolution stehen, wie sie die Presselandschaft national sowie international schon durchlaufen ist und immer noch durchläuft. Die Frage was future publish bedeutet, sei vor allem eine Qualitätsfrage. Es geht nicht darum, dass etwas anders wird, sondern vor allem wie sich diese Veränderung vollziehen wird. Die wichtigste Aufgabe in Zeiten von Fake News sieht Porombka seitens der Verlags- und Medienbranche darin, einen öffentlichen Diskurs mitzugestalten, in der es sonst keine zentralen Zugriffspunkte mehr zu geben scheint. Content auf möglichst innovative Weise in den Umlauf zu bringen, wird alleine nicht mehr ausreichen. Porombkas Prognose zufolge begibt sich die Buchbranche von einer recht großen Formen- und Formatsicherheit, die auf Marktsicherheit berechnet ist, zu einer Unsicherheit des Experiments mit Produkten, für die noch nicht genau gesagt werden kann, ob dafür tatsächlich ein funktionierender Markt besteht.

Publishing 4.0

Die Tatsache, dass andere Branchen schon weitreichender vom digitalen Wandel betroffen sind, wurde auch in Ehrhardt Heinolds Impulsreferat zur „Publishing Industry 4.0“ verdeutlicht.

Nach seiner Aussage leben wir im Zeitalter der stark individualisierten Produktion, was ein Merkmal der Industrie 4.0 ist. Diese zeichnet sich besonders durch kleine, individualisierte Produktionsmengen und hohe Flexibilität im Herstellungsprozess aus. Diese Entwicklungen aus der Industrie lassen sich wiederum auf die Verlags- und Medienbranche übertragen, die besonderes Potential zur Produktivitätssteigerung und für innovative Produkte zu bieten scheint, da Medienprodukte vollkommen digitalisierbar sind. Heinold stellt das Publishing 4.0-Modell mit zehn Thesen vor, von denen eine der wichtigsten wohl die der konsequenten Kundenorientierung zu sein scheint.

Aus normalen Nutzern werden nun Prosumenten, der Kunde wird also selbst ein Teil der Wertschöpfungskette und nimmt an der Produktentwicklung durch die Angabe seiner Vorlieben und Wünsche teil. Aus Wettbewerb wird wiederum Coopetition, sprich eine Zusammenarbeit zweier eigentlich konkurrierender Unternehmen, um am Markt gemeinsam zukünftig besser bestehen zu können. Junges Beispiel von Coopetition für die deutsche Buchbranche ist Skoobe, eine Flatrateanbieter von E-books, ins Leben gerufen von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Random House und arvato. Dieser Wandel in der Produktentwicklung vom Produkt zur Kundenorientierung bringe aber auch ganz neue Vorteile für die Verlagsbranche, in dem die Messung von Nutzerdaten in Echtzeit verbesserte Möglichkeiten in der Produktion bietet und damit neue, effizientere Absatzmärkte erschließt.

Das Publishing 4.0-Modell wird für die Verlags- und Medienbranche letztendlich eine Einstellung auf die permanenten Veränderungen von Kundenwünschen, aber auch eine Umstellung des gewohnten und bisherigen Geschäftsmodells bedeuten.

„Print wird auf Dauer stagnieren“

Bei Bastei Lübbe scheint der Leser schon längst in den Fokus der Produktplanung und -entwicklung gerückt zu sein. Das, was oft als User Experience bezeichnet wird, ist bereits wichtiger Teil der Marketingstrategie bei einem der größten Publikumsverlage Deutschlands. Stephan Trinius, Teamleiter des digitalen Programms bei Bastei Lübbe, fällt sogar folgende Aussage über die Veränderungen in der Buchbranche: „Die Zukunft eines Verlages ist digital. Print wird auf Dauer stagnieren.“ Im Vortrag „Wie mache ich digitalen Content sichtbar?“, den er zusammen mit seiner Kollegin Sandra Becker hält, wird vorgestellt, wie Bastei Lübbe den digitalen Wandel für sich nutzt, um den Leser an sich zu binden und mit attraktiven digitalen Angeboten ihre Gewinne zu maximieren. Dabei nennen beide zwei Dinge, auf die es im digitalen Zeitalter als Verlag besonders ankommt. Dies wäre zum einen das Aufgreifen aktueller Trends, sei es durch Bestseller, Social Media-Aktionen, Zusammenarbeit mit Bloggern und YouTubern, etc. und zum anderen der Aufbau einer persönlichen Bindung zum Leser und bestimmten Leser-Communities aufzubauen. Leserrezensionen spielen, dank Plattformen wie Goodreads oder LovelyBooks, eine immer wichtigere Rolle, wenn es um die Vermarktung von Büchern geht. Des Weiteren betonen beide mehrmals, dass der Leser ein Gesicht mit dem Verlag verbinden soll, dabei sollen die Social-Media-Kanäle helfen, die das Herzstück der Marketingstrategie bei Bastei Lübbe sind. Das vor paar Monaten gestartete digitale Imprint des Verlags „be“ soll zusätzlich dabei helfen, den Wandel vom traditionellen Buchverlag zum Digitalverlag zu vollziehen. Die Plattform, die exklusiv digitale Geschichten anbietet, soll nicht nur genutzt werden, um direkte Zielgruppen in den Bereichen Thriller, Fantasy und Liebesroman zu finden und anzusprechen, sondern auch Trends, die im klassischen Buchhandel nicht mehr funktionieren bzw. dabei sind abzuflachen, durch diese digitalen Produkte zu verlängern.

Der Leser im Fokus

Verlage werden sich in Zukunft noch viel mehr auf die Wünsche und Vorlieben ihrer Leser einstellen müssen. Dabei werden zusätzliche Angebote abseits von Print eine immer größere Rolle spielen, um den Kunden in Konkurrenz mit anderen wachsenden Medienprodukten weiter für sich gewinnen zu können. Dies bedeutet allerdings nicht zwangsweise, dass Printerzeugnissen auf Dauer eingestellt werden. Die Vorträge dieser zwei Tage verdeutlichen, dass vieles noch in den Kinderschuhen steckt, aber auch viel Potential herrscht, was neue digitale Formen wie Virtual Reality betrifft. Auf lange Sicht wird sich das Geschäftsmodell vieler Verlage gezwungenermaßen ändern müssen, um die Herausforderungen des digitalen Wandels meistern zu können und die sich neu bietenden Möglichkeiten erfolgreich ausschöpfen zu können.

 

Von Sandra Kucmierczyk

 

Vielen Dank an die future!publish für die zur Verfügung gestellten Tickets! Unsere Reporterinnen haben auch fleißig getwittert. Unter #fpbln17 könnt ihr die Veranstaltung nachlesen.

Facebooktwitter