Die kreativen Branchen rücken zusammen

© Franziska Wenger

© Franziska Wenger

Oft hört man, dass die Buchbranche verstaubt sei. Dass das nicht stimmt, zeigten die Teilnehmer und der Moderator der Podiumsdiskussion „Über die Grenzen der Gutenberggalaxis hinaus – Die Buchbranche als Teil der Kreativwirtschaft“, die im Rahmen des Young Professionals‘ Day geführt wurde.

Dabei sprach Moderator Sven Robin (Leiter Fachschule und Studium, Mediacampus Frankfurt) mit Menschen, die in der Buchbranche, Musik- und Gameindustrie arbeiten – und somit in Branchen, die immer näher zusammenrücken bzw. bereits miteinander verknüpft sind als Kreativwirtschaft. So der Tenor der Diskussion, den Patrick Maier von der Werbeagentur Universal McCann, Thomas Nickel von der Games Academy, Alexander Skipis vom Börsenverein und Hubert Wandjo von der Popakademie teilten.
Das Publikum konnte von Beginn an Fragen ans Podium stellen, welche die Experten dann diskutierten und beantworteten. Vorherrschend war die Herausforderung der neuen Medien, um diese zu meistern, braucht es schlaue kreative Köpfe. Wie man ein solcher kreativer Kopf wird? Dafür gibt es keinen vorgezeichneten Weg, benötigt werden neue Berufsbilder. So ist heute, laut Hubert Wandjo ein komplett neuer Typ des Musikmanagers gefragt. In der Werbung gehe es darum Kundenprobleme zu verstehen, weiß Patrick Maier, dafür qualifiziert seien zum Beispiel Soziologen und Literaturwissenschaftler.
Für die Gamebranche gibt es kein feststehendes Berufsbild, aber mittlerweile gibt es eine Games Academy, die Studiengänge anbietet. Diese sind allerdings nicht staatlich anerkannt, dafür genießen sie aber in der Gameindustrie hohes Ansehen, wie Thomas Nickel berichtet. Seiner Ansicht nach müssen Leute, die in die Gamebranche wollen, vor allem eines können: „Alles aufsagen wie ein Schwamm“. Man muss Bücher lesen, Musik hören, ins Theater gehen. „Du kannst nur gewinnen, wenn du alles mitnimmst“, diese Weisheit gibt Nickel dem interessierten Publikum mit auf den Karriereweg.
Was sich oben schon andeutet, wurde im Gespräch immer deutlicher: Sorgen bereiten den fünf Köpfen der Kreativwirtschaft die Herausforderungen, vor denen sie stehen, nicht. Dafür jedoch das Haften an traditionellen Berufsbildern. Dabei zeichnet sich ein positiver Wandel bereits ab: In den kreativen Branchen werden neue Ausbildungsberufe bereits angeboten. Wer ein klassisches geisteswissenschaftliches Studium absolviert, braucht sich allerdings nicht um die Zukunft sorgen. Hochschulabsolventen, teilweise sogar Studienabbrecher, der geisteswissenschaftlichen Fächer oder der Soziologie können in der Buchbranche, der Musikindustrie, der Gamebranche oder in der Werbung eine Stelle in der digitalen Welt der Medien finden. Auch den Buchhändler als Vermittler von Kultur wird es noch sehr lange geben, so Alexander Skipis. In welchen Raum er tätig sein wird, in einer traditionellen Buchhandlung oder virtuell, werde sich noch zeigen. Sven Robin gibt dem Publikum als Schlusswort und Fazit mit: „Gut ist es immer, wenn man über den Tellerrand hinausblickt.“ Die Idee Gutenbergs – die langfristige Konservierung und Vermittlung von Inhalten – bleibt dabei, so Robin, immer existent, egal auf welchem Weg der Inhalt am Ende zum Leser kommt.

Franziska Wenger