Die JVM Hamburg zu Gast in der Druckerei Clausen & Bosse / CPI Books

Die Kooperation der JVM mit ver.di hat in vielerlei Hinsicht bereits Früchte getragen. Nach der erfolgreichen Veranstaltung im Juni zum Thema Volontariate und Arbeitsrecht haben wir die Zusammenarbeit nicht beendet, sondern durch konnten durch die Kontakte gemeinsam mit Agnes Schreieder und Martin Dieckmann von ver.di ein neues Event auf die Beine stellen: einen Besuch in der Druckerei Clausen & Bosse / CPI Books.

Am 7. November 2017 sind wir mit 13 Jungen Verlagsmenschen mit dem Zug von Hamburg ins schöne Nordfriesland aufgebrochen. In Niebüll sind wir trotz des schönen Wetters nicht im Zug sitzen geblieben und weiter nach Sylt gefahren, sondern in Sammeltaxen umgestiegen, um die letzten Kilometer nach Leck zurückzulegen. Dort ist die Druckerei im Ort nicht zu verfehlen und wir wurden direkt freundlich von zwei Mitarbeitern aus dem Betriebsrat sowie dem ehemaligen Personalleiter empfangen, der zwar bereits im Ruhestand ist, aber immer wieder in die Druckerei zurückkehrt, um Gruppen wie uns die Welt von CPI Books zu zeigen.

Nach der Begrüßung haben wir also erst einmal alles über die Geschichte der Druckerei erfahren. In Leck gab es bereits in den 1920er Jahren eine kleine Druckerei mit einer Rotationsmaschine (damals ein Novum bzw. hoher technischer Standard), die man normalerweise nur aus der Zeitungsindustrie kennt. Der Buchdruck kam erst 1949/50 nach Leck, als Ove Becker Clausen und Hinrich Bosse ihr Unternehmen gründeten. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Ernst Rowohlt das damals neue Taschenbuchformat aus den USA nach Deutschland. Diese Buchform konnte nur auf den in Leck stehenden Rotationsmaschinen kostengünstig gedruckt werden, sodass Rowohlt und Clausen & Bosse ins Geschäft kamen für die neue Verlagsreihe rororo (= Rowohlts Rotations-Romane). Bereits Anfang der 1950er Jahre konnte Clausen & Bosse das Konzept des Gesamtherstellers etablieren und schnell wurden Verlage die bis heute mit Abstand größten Kunden der Druckerei. Als Rowohlt 1983 Teil der Holtzbrinck-Verlagsgruppe wurde, ging auch Clausen & Bosse zur Gruppe über und wurde 2002 an die CPI Holding verkauft. Chevrillon Philippe Industrie besteht insgesamt aus 17 Betrieben europaweit (Frankreich, UK, Tschechien, Niederlande, Deutschland). Ein Jahr später wurde aus den deutschen Dependancen Clausen & Bosse in Leck sowie Ebner & Spiegel in Ulm die CPI Books gegründet. Heute gehört CPI Books zu einem der größten europäischen Buchproduzenten und Clausen & Bosse ist durch die Fusionen zu einer der größten deutschen Druckereien gewachsen. Bereits in den 1960/70ern arbeiteten hier um die 300 Mitarbeiter, heute sind es ca. 580 Mitarbeiter am Standort in Leck. In der Buchbinderei arbeiten hiervon etwa 240 Mitarbeiter (davon 40-50 gelernte Buchbinder, der Rest sind angelernte Mitarbeiter und Helfer an den Maschinen), in der Druckerei knapp 100 Mitarbeiter.

Clausen & Bosse war seit jeher ein intensiver Ausbildungsbetrieb und weiterhin werden hier z.B. Industriekaufmänner/-frauen und Medientechnologen ausgebildet, die Bezahlung ist aufgrund des Standortes und eines Dreischichtsystems gut. Dabei ist es wichtig, dass die Belegschaft an einem Strang zieht und bereit ist, kurzfristig auch einmal Überstunden oder Sonderschichten in Kauf zu nehmen. Bei sogenannten Schnellschüssen kann es schon einmal vorkommen, dass zwischen Auftrag, Druck und Auslieferung nur vier Tage Zeit bleiben. Das ist aber nur die Ausnahme und guten Kunden vorbehalten. Und wenn der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, kann man schon die Stunden zählen, bis der große Nachdruck des Buches ansteht und die Druckerei ist auf solche Sonderfälle bestens vorbereitet. Doch trotz guter Löhne und langjähriger Mitarbeitertreue ist es schwierig, junge Menschen für die Berufe in der Druckerei zu begeistern. Der Standort hat den Nachteil, qualifiziertes Personal in die nordfriesische Provinz zu bekommen, Vorteil hingegen ist eben eine sehr geringe Fluktuation. Teilweise arbeiten hier Leute in der 3. Generation, sodass ein paar Familiendynastien in Leck bei CPI Books ansässig sind, wie der Ex-Personalchef, der selbst schon als kleiner Junge durch die Druckerei gelaufen ist, mit einem Zwinkern verrät.

Die Veränderungen in der Buchbranche sind auch nicht spurlos an CPI Books vorübergegangen. Bestimmte Papiersorten sind immer in ‚mittlerer‘ Stückzahl vorrätig, das heißt heute etwa 6.000 – im Vergleich dazu waren es früher 10.000. Das Sinken der Stückzahl erklärt sich dadurch, dass es weniger Leser als früher gibt und Buchhandlungen somit weniger Fläche für Bücher bereit halten und dafür viele andere Deko- und Geschenkartikel auslegen. Darauf haben die Verlage mit kleineren Auflagen reagiert, die nun auch entsprechend in der Druckerei bestellt werden. Dafür gibt es bei CPI Books dann mehr Kunden und Aufträge. Insgesamt arbeiten sie europaweit mit über 2.000 Kunden unterschiedlicher Größe zusammen. Neben Publikums-, Fach- und Kalenderverlagen sind es Industrie- und Handelsunternehmen, die z.B. Kataloge und Betriebsanleitungen drucken lassen, oder auch öffentliche Auftraggeber, die Gesetzesbücher oder VHS-Broschüren in Auftrag geben. Die Verlage sind aber mit Abstand nach wie vor der größte Kunde. CPI Books kann mit allen Standardformaten dienen und auch Sonderausstattungen sind möglich (nur entsprechend teurer) wie etwa Einlegeblätter in Schuberausgaben. Hier kommt noch echte Handarbeit zum Tragen, d.h. die losen Blätter werden von Mitarbeitern in die Bücher gelegt. Diese Arbeiten wurden aber ausgelagert und werden u.a. in Tschechien erledigt. Ein paar schöne Ausstellungsstücke mit unterschiedlichsten Prägungen, Veredelungen und Ausstattungen konnten wir in den Fluren der Druckerei bewundern. Diese haben wir nach der Einführung in die Geschichte von Clausen & Bosse / CPI Books auf dem Weg zur Kantine bestaunen können. Dort haben wir gemeinsam Mittag gegessen, bevor es dann mit Warnwesten ausgestattet in die Druckerei selbst ging. Hier konnten wir den Mitarbeitern über die Schulter schauen und den Weg vom Druckbogen bis hin zum fertigen Buch verfolgen.

Nachdem also die Druckdatei mitsamt Auftrag angekommen ist, wird der Text auf große Druckbögen gedruckt, wobei gleich mehrere Bücher und Cover jeweils auf einem Druckbogen landen, um möglichst effizient viele Bücher gleichzeitig drucken zu können. Hierfür stehen sieben Offset-Rotationsdruckmaschinen sowie zwei Digitaldrucker (einer für Farbdrucke, einer für Schwarz-Weiß-Drucke) zur Verfügung. Die Dimensionen lassen sich kaum in Worte fassen, dazu die riesigen Papierrollen, die stapelweise mehrere Lager in den Druckereihallen füllen und vorwiegend aus Skandinavien und Finnland geordert werden. Beim Rotationsdruck wird, wie der Name vermuten lässt, beidseitig gedruckt, sodass die Papierrollen noch während des Drucks gewendet werden. Auch das Falzen und Zusammenfalten wird in einem Schritt erledigt, sodass Kopf an Kopf gleich zwei Bücher auf einmal gedruckt werden, die dann später getrennt und nach dem Binden auf das passende Format geschnitten und mit dem Umschlag versehen werden. In den Produktionshallen liegen palettenweise gestapelt Druckbögen, die dann zum jeweiligen Buch sortiert und gebunden werden. Da staunten wir nicht schlecht, dass in einer Stunde schon einmal 19.900 Druckbögen (in unserem Fall, das variiert natürlich je nach Einstellung) übers Band laufen. Das erklärt natürlich, dass es mehr Sinn macht in großen Auflagen zu drucken und dass ein Druck von 30 Büchern viel teurer ist, wenn dafür extra die riesigen Maschinen angeworfen werden müssen. Somit sind wir also staunend durch die Druckerei gelaufen – wobei die Buchbinderei und Veredelungsabteilung auf großes Interesse gestoßen sind, weil wir dort konkrete Beispiele in Form von Umschlägen mit unterschiedlichsten Prägungen anschauen konnten.

Am Ende waren wir erstaunt, dass zwei Stunden Führung durch die Druckerei wie im Flug vergangen sind. Jedoch war es auch schön, danach die Ruhe zu genießen, denn es ist wahnsinnig laut, wenn alle Maschinen laufen und die Ohrstöpsel-Spender in den Hallen erklärten sich von selbst.

Nach vier Stunden bei Clausen & Bosse / CPI Books sind wir voller faszinierender Einblicke und einem großen Wissenssprung in Sachen Buchherstellung zufrieden mit dem Zug zurück nach Hamburg gefahren. Vielen Dank an dieser Stelle an die freundlichen Mitarbeiter von CPI, die uns die Führung ermöglicht haben, sowie an Martin und Agnes für die erneut gute Zusammenarbeit mit den JVM.

Der Tagesausflug hat mit unserer kleinen, netten Gruppe sehr viel Spaß gemacht und wir können nur jedem Buchliebhaber empfehlen, wenn sich die Möglichkeit bietet, eine Druckerei zu besuchen!

Hier geht’s zur Homepage von CPI Books: http://www.cpi-print.de/

Schaut doch einmal in ein paar Bücher bei Euch zu Hause, dort wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit mindestens in einem Fall im Impressum CPI Books in Leck auftauchen. 😉

 

Text und Bilder: Lisa & Antje (JVM Hamburg)