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Die Jungen Verlagsmenschen aus Göttingen und Hannover zu Besuch im Literarischen Zentrum Göttingen

© Stephan Brünig

© Stephan Brünig

Am 05.11.2014 besuchten wir das Literarische Zentrum Göttingen. Die Geschäftsführerin und Programmleiterin Dr. Anja Johannsen empfängt uns herzlich und gibt uns in den folgenden eineinhalb Stunden einen interessantem Überblick über die Arbeit in einem Literaturhaus.

Strukturell hat es ein paar Veränderungen seit unserem ersten Besuch im Jahr 2011 gegeben. Das Literarische Zentrum und der Göttinger Literaturherbst, ein jährlich nach der Buchmesse stattfindendes Literaturfestival, sind „zusammengewachsen“. Für letzteren Bereich ist Johannsens Kollegin Gesa Huse zuständig, die an diesem Abend leider nicht dabeisein konnte. Zudem betreut sie das Bildungsprogramm „Literatur macht Schule“, das sich speziell an Schüler und Lehrer richtet.

Unterstützt werden die beiden von vier studentischen Hilfskräften. Die offiziell als „Volontäre für Kulturmanagement“ bezeichneten Studenten werden durch die philologischen Institute der Universität Göttingen für jeweils ein Jahr vermittelt. „Ohne die Volontäre wäre die Arbeit kaum zu bewältigen“, erfahren wir; sie übernehmen u.a. verschiedene Funktionen bei den Abendveranstaltungen, gestalten Programmhefte und Poster mit und kümmern sich um die Haustechnik. Zu den Besonderheiten des Zentrums, die schon beim Hineingehen ins Auge fallen, gehört die Multimedia-Ausstattung im Raum, die aus mehreren Fernsehbildschirmen besteht. Jede Abendveranstaltung wird gefilmt und über die verschiedenen Bildschirme live übertragen, damit alle Besucher in dem langgestreckten Raum die Referenten und Moderatoren gut sehen können. Das Filmen gehört ebenfalls zu den Aufgaben der Volontäre.

„Die Anzahl der Literaturveranstaltungen in Deutschland wächst exorbitant“, erfahren wir. Einige Verlage haben Mitarbeiter, die nur für den Veranstaltungsbetrieb zuständig sind. Verhandelt werden Autorenauftritte daneben auch auf der Buchmesse. Auf der Leipziger Buchmesse präsentieren sich die niedersächsischen Literaturhäuser mit einem gemeinsamen Stand und laden dorthin Verlagsvertreter ein. Mit dem Besuch der Buchmesse in Frankfurt bzw. Leipzig beginnt für Anja Johannsen immer die Programmplanung für das jeweils nächste Halbjahr. Das Programm des Literarischen Zentrums umfasst den Zeitraum von einem halben Jahr und beinhaltet Autorenlesungen, Diskussionsveranstaltungen zu literarischen und kulturellen Themen und Gesprächsabende. Ausgehend von den Verlagsvorschauen fordert das Literaturhaus von interessanten Titeln Textproben oder Druckfahnen an. Ist letztendlich eine Entscheidung für einen Autor gefallen, so kann dieser bei seinem Verlag für eine Lesung „gebucht werden“.

„In seiner Funktion als Literaturvermittler muss/soll der Veranstalter eines Literaturzentrums auch immer das Publikum bzw. die Publika in der jeweiligen Stadt bedienen“, meint Anja Johannsen. Neben Themen aus dem „Mainstream“ bietet das Programm des Literarischen Zentrums auch Veranstaltungen, die sicherlich nicht jeden interessieren, aber trotzdem ihre Zielgruppe finden. Durch verschiedene Veranstaltungreihen wie z.B. dem „Liederabend“, bei dem es jeweils um einen Musikkünstler geht, bekommt das Programm eine persönliche Note. Aufgrund der speziellen Altersstruktur in Göttingen (viele Mittzwanziger, wenig Leute im mittleren Alter und viele ältere Leute) tritt im Literatischen Zentrum das Phänomen des „Silbersees“ (nur graue Haare im Publikum) kaum auf. Mit neuen Formaten wird aber versucht, speziell auch die jüngere Zielgruppe in Göttingen anzusprechen, z.B. mit dem „Debütaninnenball“ und dem „Debütantenball“, bei dem (noch unbekannte) Nachwuchsautoren sich vorstellen.

Alice Velivassis