Wenn der Börsenverein des deutschen Buchhandels und der Ehrengast Frankreich zum Start-up Wettbewerb einladen, ist Spannung garantiert – insbesondere, wenn es um Start-ups in der vom digitalen Wandel so getroffenen Buchindustrie geht.

Am Freitag um 11 Uhr in der Messehalle 6 war es soweit: 12 Start-up-Unternehmen, die durch die Vorauswahl der Jury kamen, durften in einem dreiminütigen Vortrag vor einem gespannten Publikum für ihre Innovationen und Produktideen in der Buchindustrie werben. Danach stellten sie sich den Fragen der vierköpfigen Jury. Die Jury bestand aus den Branchenkennern Nicolas Rodelet, Nicolas Barthalon, Carsten Linz und Volker Oppmann. Zu gewinnen gab es einen internationalen Flug zu einem beliebigen Ziel für das gesamte Team.

Der unvoreingenommene Besucher der Veranstaltung durfte sich von der Bandbreite der Themen überraschen lassen. Von der innovativen Piraterie-Bekämpfung für E-Books (Erudition) über die automatisierte Hörbuchproduktion (Chaï) bis hin zu einer Tinder-App für Bücher (findl) war alles dabei. Den Anfang machte Domoscio, ein Start-up, dass mit Big Data und künstlicher Intelligenz unser Lernen verbessern will. Anschließend stellte das Team von Inkitt seine vielversprechende Unternehmensidee vor. Inkitt habe einen Algorithmus entwickelt um Bestseller vorauszusagen. Wie das funktioniert? Über eine Leserplattform sind Bücher für eine gewisse Zeit frei verfügbar. Die User der Plattform werden in Ihrem Leserverhalten genau analysiert: Wie lange liest er an dem Buch? Bis wohin? Wie ist sein jetziges Leserverhalten im Vergleich zum Buch davor? Ziel von Inkitt ist es, dass Autoren nicht auf das subjektive Urteil des Verlegers angewiesen sind, sondern objektiv eine Chance zur Veröffentlichung Ihrer Bücher erhalten.

 

Es folgten Vorträge über die Verbindung von analogem und digitalem Lesen (Papego), die automatische Animation von Kindermalerei (Wakatoon) und das Erstellen einer App ohne Programmierkenntnisse (PandaSuite). Der nächste Schwerpunkt war das Thema E-Book Gestaltung (Videobooks, Art Books Magazin): Warum sollten die digitalen Exemplare sich wie ihre analogen Vorbilder auf reine Textwiedergabe beschränken?

Am Ende der Vortragsreihe stellte SatoshiPay seine Idee für einfaches Bezahlen von digitalen Gütern im Internet vor. Dabei soll der Kunde nicht durch das Abschließen von Abonnements oder Abgabe seiner Daten verschreckt werden, sondern die Möglichkeit haben, blitzschnell über Nanobezahlungen kleinste Beträge für genau den Inhalt zu zahlen, den er gerne lesen möchte.

Doch wer konnte die Jury letztlich am meisten von sich überzeugen und wurde Sieger der zweistündigen Veranstaltung? Am Ende gewann das französische Start-up Lunii, welches für Kinder eine magische Geschichtenfabrik entwickelt hat. An einem von Lunii produzierten Gerät können Kinder einen Helden, einen Ort, einen Gegenstand und eine zweite Person wählen, um dann eine individuelle Geschichte erzählt zu bekommen. Eine erfolgsversprechende Idee die Neugier der Kinder und den Genuss von Hörbüchern zusammen zu bringen. So durfte schließlich das Team von Lunii den Fluggutschein von Air France als Preis mit nach Hause nehmen.

Wiebke Malitz