Der Weg zum Lektor

Zeit Campus Dialog Geiwi

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Eine Schreinerlehre und Arbeit im Kindergarten – beste Voraussetzungen für einen Job als Lektor! Klingt komisch, war aber ein Ergebnis des ZEIT Campus-Dialogs „Geisteswissenschaften – und dann?“ Auf dem Podium saßen Geisteswissenschaftler, die mit ihrem Studium im Verlagswesen Geld verdienen – und ihre Brötchen.  Von wegen „brotlose Kunst.“

Eine Schreinerlehre und Arbeit im Kindergarten – beste Voraussetzungen für einen Job als Lektor! Klingt komisch, war aber ein Ergebnis des ZEIT Campus-Dialogs „Geisteswissenschaften – und dann?“ Auf dem Podium saßen Geisteswissenschaftler, die mit ihrem Studium im Verlagswesen Geld verdienen – und ihre Brötchen.  Von wegen „brotlose Kunst.“

„Ich habe meine Studienfächer aus Protest gewählt!“, sagt Dr. Rainer Weiss, Verleger von weissbooks w. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie und sollte eigentlich die elterliche Arztpraxis übernehmen.  Nach der Arbeit bei Kiwi und Suhrkamp gründete er selbst einen kleinen Verlag, in dem nur drei Personen arbeiten. Das Besondere: „Man kann schneller reagieren.“ Auf die Frage, ob man denn wegen E-Books, Social Media & Co. ein Informatikstudium benötige, um in der Verlagsbranche Fuß zu fassen, antwortet er: „Es kann ja nicht schaden, aber eine Schreinerlehre kann auch nicht schaden. Ein Jahr im Kindergarten zu arbeiten kann auch gut sein.“ Er wünscht sich Bewerber, „die auch nach rechts und links schauen“. Sein Fazit: „Verlagswesen bedeutet, dauerhaft präsent zu sein.“

Heinrich Geiselberger ist Lektor für die edition suhrkamp. Er studierte Kommunikationswissenschaft, Sozialwissenschaft, Neuere Deutsche Literatur und besuchte die Journalistenschule. Eigentlich wollte er auch Journalist werden und hatte vorher gar nicht darüber nachgedacht, wie vielfältig das Verlagswesen ist. Geiselberger sieht Vor- und Nachteile darin, fest für einen Verlag zu arbeiten: „Man muss sich nicht um die Auftraggeber kümmern, aber kann sich seine Zeit dafür auch nicht frei einteilen.“

Im Unterschied dazu kann sich Sabine vom Bruch ihre Zeit frei einteilen, aber sie meint: „Ich werde meine Arbeit nicht los.“ In der Freizeit denkt sie über Formulierungen nach, zum Beispiel beim Aufhängen der Wäsche. Sie ist freie Lektorin, studierte Anglistik und Geschichte und wollte ebenfalls Journalistin werden, landete aber zufällig im Buchverlag. Sie meint: „Die Arbeit im Verlag ist learning by doing.“  Sabine vom Bruch rät, das Lieblingsfach zu studieren. „Man sollte zuerst in einem Verlag arbeiten, um einen Überblick über alle Prozesse zu bekommen und sich erst danach ggf. selbstständig machen.“ Ihre Empfehlung: „Erfahrungen sind sehr wichtig.“

 

Geisteswissenschaften – und dann?

Welche Perspektiven eröffnet ein geisteswissenschaftliches Studium? Was für Berufschancen haben Germanisten, Philosophen und Soziologen auf dem heutigen Arbeitsmarkt? Bei der Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Buchmesse mit Geisteswissenschaftlern der Verlagsbranche sprach „Zeit-Campus“-Redakteur Oskar Piegsa über die verschiedenen Berufsperspektiven in Verlagen. Zu Gast waren Sabine vom Bruch, freie Lektorin, Dr. Rainer Weiss, Verleger von weissbooks w. und Heinrich Geiselberger, Lektor beim Suhrkamp-Verlag. Während der einstündigen Gesprächsrunde erzählten die drei von ihrer Arbeit im Verlagswesen und ihrem beruflichen Werdegang.

„Eigentlich sollte ich die Arztpraxis meines Vaters übernehmen. In die Verlagsbranche bin ich nur so hereingeraten“, sagte der studierte Philosoph Dr. Rainer Weiss. Den beiden anderen Lektoren erging es ähnlich: Sabine vom Bruch studierte Geschichte und Anglistik, wollte aber eigentlich Journalistin werden, Heinrich Geiselberger studierte Kommunikationswissenschaft, neuere deutsche Literatur und Soziologie. „Bevor ich zu den Geisteswissenschaften fand, studierte ich zwei Semester lang Jura. Aus Feigheit wählte ich diesen soliden Studiengang mit festem Berufsziel“, meinte Geiselberger. Trotz der unterschiedlichen Laufbahnen ergab sich für alle ein Job in derselben Branche. Diese Beispiele zeigen, dass geisteswissenschaftliche Studiengänge eine gute Grundlage für die spätere Arbeit im Verlag bieten. „Dennoch empfinden viele Studienabsolventen die Arbeit im Verlag zu Beginn als schwierig, weil sie zum Teil mit fachfremder Sachbuchliteratur zu tun haben. Dieses Fachwissen lässt sich mit gesundem Menschenverstand und praktischer Erfahrung aufwiegen“, erklärte Lektorin Sabine vom Bruch. Dies liege vor allem an den teilweise unterschiedlichen Thematiken der Geisteswissenschaften.

Unter den Zuhörern in Frankfurt befanden sich viele Studenten, die dem Gespräch interessiert folgten. Diesen rieten die Experten dazu, viele Praktika zu absolvieren. Geiselberger legt bei seinen Bewerbern Wert auf praktische Erfahrung im Verlag, da Vorkenntnisse stets von Vorteil seien und die Arbeit erleichterten.

Die Experten lieferten somit viele Gegenargumente gegen allgemeine Behauptungen, dass ein Studium der Geisteswissenschaften meist in die Arbeitslosigkeit führe. Damit machten sie gerade den anwesenden Studenten Mut.

Jasmine Klar, Sarah Kreitmair

 

Lisa Korte