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Das virtuelle Buch

Großer Andrang im Prestel Verlag

Nun war es schon die vierte Veranstaltung der Jungen Verlagsmenschen in München und wieder einmal durften wir beim Prestel Verlag zu Gast sein. Dem Aufruf, mehr über das Thema „Bücher ohne Buch. Ebook, Internet und Co.“ zu erfahren, sind über 60 Junge Verlagsmenschen aus München gefolgt und haben damit gezeigt, dass das Thema nicht nur in der Branchenpresse präsent ist, sondern auch den Nachwuchs sehr beschäftigt.

Gleich zu Beginn bekamen wir von Sibylle Bauschinger (Leitung Kooperation und Social Media) und Albrecht Mangler (Projektleitung Online) von Newbookbiz, einem „Think Tank“ zum Thema Digitalisierung und Lesen, zwei Ebook-Lesegeräte zum Ansehen und Ausprobieren, um einmal selbst beurteilen zu können, was die Buchbranche gerade so beschäftigt.

Sibylle Bauschinger

Sibylle Bauschinger

Sybille Bauchinger machte dann auch gleich klar, dass ihrer Meinung nach das Buch in seiner „physischen“ Form erhalten bleiben werde, dass sich aber durch das Ebook und auch das Internet neue Möglichkeiten ergäben, die es abzuwägen gelte. Einer der größten Vorteile des digitalen Textes sei, dass er verlinkbar ist. Sofern das entsprechende Lesegerät onlinefähig ist, können während des Lesens Wortdefinitionen oder Referenzwerke aufgerufen werden. Und natürlich kann ein entsprechend großes Gerät wunderbar für die Lektoratsarbeit verwendet werden, ohne Blätterdurcheinander und ohne mehrere Kilo Papier mit sich herumzutragen

Albrecht Mangler

Albrecht Mangler

– allerdings nur, wenn das Gerät nicht abstürzt. Diese Abhängigkeit von der Technik rief auch gleich Skepsis hervor. Und auch in der Diskussion wurde klar, dass es viele Punkte gibt, die kritisch betrachtet werden müssen.

Beispielsweise bleibt immer noch zu klären, auf welchem Vertriebskanal sich Ebooks am besten verkaufen lassen werden – eigener Online-Shop, Amazon, Zwischenhändler wie ciando.de oder stationärer Buchhandel? Während die einen meinten, dass es nicht die Aufgabe des stationären Buchhandels sei, die elektronischen Publikationen zu vertreiben, warnten die anderen davor, den Buchhandel komplett auszuschließen. Ebenso beschäftigte die Frage nach dem Preis der Ebooks im Verhältnis zum gedruckten Buch, und welches Dateiformat und Lesegerät (Reader, Handy, Laptop) sich letztendlich durchsetzten wird. Auch das Thema Digital Rights Management wurde sehr kontrovers diskutiert. Fraglich ist, ob man sich hier an dem Beispiel der Musikindustrie orientieren sollte und auf Schutzmechanismen verzichtet.

Spaß an der Technik

Spaß an der Technik

Es ist allerdings nicht nur das Ebook, das die Arbeit der Verlage verändert, sondern auch grundsätzlich die Möglichkeit, durch das Internet viel schneller und direkter mit den Lesern zu kommunizieren. Albrecht Mangler berichtete am Beispiel der Internetplattform www.bilandia.de, die unter anderem auch von NewBookBiz betreut wird, wie sich beispielsweise Facebook und Twitter dazu nutzen lassen, Leser zu gewinnen und an sich zu binden.

Ebooks zum Ausprobieren

Ebooks zum Ausprobieren

Am Schluss bleibt es uns nur abzuwarten. In Deutschland wird es nach der Prognose von Sibylle Bauschinger wohl noch circa 2 Jahre dauern, bis die Ebook-Lesegeräte um die 100 Euro kosten und somit für viele Leser tatsächlich erschwinglich sein werden. Dann wird sich zeigen, wie die Leser tatsächlich mit dem Produkt Ebook umgehen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sibylle Bauschinger und Albrecht Mangler für den gelungenen Abend!

Für alle, die sich noch weiter für das Thema interessieren, haben die Referenten noch zwei Buchtipps:

Katie Hafner, Matthew Lyon: Arpa Kadabra oder die Anfänge des Internet. 351 S. 3. Aufl. 2008 dpunkt Verlag (978-3-89864-551-5)

Jeff Jarvis: Was würde Google tun? 416 S. 2009 Heyne (978-3-453-15537-4)

Anna Herb