Das „Buchgefühl“ muss dabei sein

von Ronya Moll und Carina Ringsdorf

Gedruckte Bücher sind doch out! Oder nicht? Sind Ebooks wirklich auf dem Vormarsch oder greifen Leute immer noch gerne zum Buch? Auf der Frankfurter Buchmesse sind wir der Frage nachgegangen und wurden überrascht.

Wenn man sich auf der Buchmesse umhört, scheint der angegebene Ton klar: viele lesen immer noch lieber klassisch mit Papier zwischen den Händen als auf dem elektronischen Reader. Nicht nur Erwachsene, auch viele Jugendliche bevorzugen gedruckte Exemplare. Von vierzehn Teenagern, die wir auf der Buchmesse getroffen haben, liest gerade mal eine Person lieber auf dem Ebook-Reader. Zudem mögen viele auch den Wechsel zwischen beiden Formaten. Im Urlaub oder auf Reisen wird dann eher das elektronische Gerät ausgepackt.

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Auf der Buchmesse haben unsere Messereporter eine Umfrage gemacht.

Wieso werden Ebook-Reader trotzdem immer beliebter? Weil sie flexibel sind meint Sibylle Heyn vom Buchgroßhandel Libri. „Wenn Sie sich vorstellen, Sie fahren in den Urlaub und haben früher zum Beispiel zwei bis drei Bücher mitgenommen und dann stellen Sie fest, dass Sie gerade auf alle drei keine Lust haben. Mit einem E-Book können Sie da schneller reagieren“. Das ist vor allem im Urlaub und auf Reisen vorteilhaft, wenn man nicht das Gewicht von zwanzig Büchern, sondern lediglich die durchschnittlich 200 Gramm des Readers mit sich herum trägt. Auch die belichteten Geräte seien gerade für abends im Bett komfortabler.

Hingegen gehen die Meinung über ein für das Ebook prädestinierte Genre auseinander. „Eher das, was man in der Freizeit liest“, findet Heyn. „Weniger für Fachliteratur“. Fachliteratur und Sachbücher sind besonders wegen Markierungen unschön auf dem Reader, stimmen auch einige der Verlagsvertreter auf der Messe zu, wohingegen andere besonders wissenschaftliche Bücher und Zeitungen für das E-Book ausgelegt sehen. Bei „Freizeitbüchern“ fänden einige vor allem Fantasy-Bücher mit Grafiken schön, Kochbücher hingegen seien überhaupt nicht für Ebook-Reader geeignet. Der O-Ton sieht allerdings so aus, dass vorhandene Ebooks unabhängig vom Genre sind. Eher sei es Typsache, wer sich einen Reader kauft und wer nicht.

„Es ist so, dass vor allem Vielleser dazu neigen“, antwortet Heyn auf die Frage nach Personengruppen, zu denen Ebooks besser passen. „Sie lesen viel und brauchen dementsprechend auch viel Stoff. […] Dann reicht die Zielgruppe auch so ins fortgeschrittenere Altersstufen hinein, weil man natürlich auch vergrößern kann“

Eine Welt ohne gedruckte Bücher kann sich trotzdem kaum einer vorstellen. Auch, weil Cover oft schön anzusehen seien. „Ich glaube, dass sich unser aller Leseverhalten tatsächlich ändern wird“, prognostiziert Heyn. „Ich glaube schon, dass für bestimmte Bereiche Print, also das Papierbuch, bestehen bleibt wird. Ich kann mir aber vorstellen, dass in naher Zukunft zum Beispiel Schulbücher nicht mehr als Papierbücher existieren.“

Wohingegen manche Besucher sich durchaus vorstellen können, dass Print-Bücher irgendwann durch die Ebooks abgelöst werden. „Auch wenn das schade wäre“, wie sie meinen.

Ebooks werden also in Zukunft eine wichtige Rolle auf dem Buchmarkt spielen. Doch durch die hohe Nachfrage an gedruckten Büchern werden Ebooks wohl zumindest in naher Zukunft nicht an diesen vorbei kommen. Wie die weitere Entwicklung aussieht, bleibt abzuwarten. Nur auf Ebooks lesen die Wenigsten, eine Mischung kommt schon eher für einige in Frage. Das „Buchgefühl“ möchte eben doch niemand missen.