Buchcamp 2010: Wie sieht die Zukunft des Buches aus?

Die Buchcamp-Teilnehmer warten gespannt auf den Beginn der Auftaktveranstaltung.

Die Buchcamp-Teilnehmer warten gespannt auf den Beginn der Auftaktveranstaltung.

Die Buchbranche befindet sich im Umbruch. Welche Veränderungen, Chancen und Risiken birgt die Digitalisierung für die Zukunft des Buches? Dieser Frage hat sich das am 8. Mai erstmalig stattgefundene Buchcamp gewidmet. Auf der partizipativen Tagung trafen sich ungefähr hundert Teilnehmer zu Vorträgen und Diskussionsrunden auf dem Mediacampus in Frankfurt am Main. Von den Jungen Verlagsmenschen war Dominique Conrad dabei.

Alexander Vieß vom Organisationsteam bei der Sessionplanung.

Alexander Vieß vom Organisationsteam bei der Sessionplanung.

Die Digitalisierung ist ein Thema, das nach neuartigen Konzepten in der Buchbranche verlangt. Passend dazu wählten die Organisatoren, bestehend aus Vertretern des Forums Zukunft und des Mediacampus Frankfurt, mit dem Format Barcamp eine neue Form der Tagung. Auf einem Barcamp bestimmen die Teilnehmer Themen und Ablauf selbst. Bereits im Vorfeld des Buchcamps hatten die Teilnehmer auf einer eigenen Internetseite Sessionvorschläge für Vorträge und Diskussionsrunden eingetragen.

Das Buchcamp als Plattform sowohl für Diskussionen in der Gruppe …

Das Buchcamp als Plattform sowohl für Diskussionen in der Gruppe …

Nach einer kurzen Begrüßung der Buchcamp-Teilnehmer wurden die Sessionvorschläge vorgestellt und ein Veranstaltungsplan erstellt. Insgesamt gab es fünfzehn 45-minütige Sessions, unter anderem zu den Themen Social Web, Urheberrecht, E-Books, den Auswirkungen von digitalen Trägermedien und verändertem Nutzungsverhalten des Lesers auf Texte und Inhalte, Informationsüberflutung und digitale Geschäftsmodelle. Jeweils drei Sessions fanden gleichzeitig in verschiedenen Räumen statt. Der Präsentation der Sessions reichte von Vorträgen, über offene Diskussionsrunden bis hin zum Speed-Dating mit Austausch über die eigene Vorstellung von der Zukunft des Buches.

Eine digitale Veranstaltung

… als auch für den Austausch im Zweiergespräch.

… als auch für den Austausch im Zweiergespräch.

Wie allgegenwärtig die Digitalisierung ist, zeigte sich nicht nur an den Themen der Sessions. Auf dem Gelände des Mediacampus stand WLAN zur Verfügung. Teilnehmer saßen mit Notebooks und I-Phones in den Vorträgen, wo sie gleichzeitig diskutierten und twitterten. Die mit dem Schlagwort „#buchcamp“ versehenen Twitter-Nachrichten konnten auf der Leinwand in der Mensa des Mediacampus verfolgt werden. So hatten auch diejenigen, die nicht am Buchcamp teilnehmen konnten, die Möglichkeit die Sessions über den Kurznachrichtendienst Twitter zu verfolgen. Außerdem wurden in einem Raum die Vorträge live ins Internet übertragen. Teilnehmer konnten sich im Tagungsbüro zwei einfach zu bedienende Videokameras ausleihen, um die Atmosphäre des Buchcamps einzufangen. Diese Videos werden später zusammengeschnitten und auf die YouTube-Seite des Börsenvereins gestellt.

Offene Plattform für Austausch und Gespräche

Moderatorin Miriam Hofheinz (Mitte) bei der abschließenden Podiumsdiskussion mit Wolfgang Tischler, Nina Reddemann, Jens Klingelhöfer und Steffen Meier (v. l. n. r.).

Moderatorin Miriam Hofheinz (Mitte) bei der abschließenden Podiumsdiskussion mit Wolfgang Tischler, Nina Reddemann, Jens Klingelhöfer und Steffen Meier (v. l. n. r.).

Das offene Konzept eines Barcamps ist eine gute Plattform für den Austausch über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg. Es gibt keinen Anzugzwang und das Du gehört zum guten Ton. Jedoch war zwischen den einzelnen Session wenig Zeit für Gespräche unter vier Augen oder in kleineren Gruppen. Das Mittagessen und das Zusammentreffen am Abend boten schon eher die Möglichkeit zum persönlichen Dialog.

Viele Onliner und nur ein Buchhändler

Viele der Teilnehmer kamen aus den Online-Abteilungen der Verlage oder waren Dienstleistungsanbieter aus dem Onlinebereich. Daneben gab es aber auch Teilnehmer aus anderen Abteilungen von Verlagen, freie Verlagsmitarbeiter und einige wenige Autoren. Laut Handzeichen nahm jedoch nur ein Buchhändler am Buchcamp teil. Das mag daran liegen, dass Buchhändler auch samstags arbeiten. Leider war die Präsenz des Branchennachwuchses ebenfalls eher gering.

Was kann das Buchcamp bewegen?

Im Anschluss an die Sessions gaben vier Teilnehmer in einer Podiumsdiskussion ein Feedback zum ersten Buchcamp. Wolfgang Tischler von literaturcafe.de fehlten die Denkanstöße, während Nina Reddemann vom Hanser Verlag sich einen stärkeren Blick über den Tellerrand der Buchbranche wünschte. Steffen Meier vom Ulmer Verlag lobte das Format eines offenen Austauschs, der von einer rein frontalen Information wegführt.

Ob das Buchcamp tatsächlich etwas bewegen kann, wird die Umsetzung von Ideen und angestoßenen Diskussionen im Alltag zeigen. Auf jeden Fall ist es ein Schritt in Richtung Dialog und Austausch über die Themen, die die Buchbranche umtreiben. Das nächste Buchcamp ist für den 7./8. Mai 2011 geplant.

Links:
Auf der Buchcamp-Seite finden sich die Sessionsvorschläge, Teilnehmer, Fotos und Videos: http://buchcamp.mixxt.de/
YouTube: http://www.youtube.com/user/boersenverein
Twitterwall: http://twitterwallr.com/buchcamp

Dominique Conrad