#BUBLA17 – Der Buchblog-Award 2017

Dieser Preis ist eine Wertschätzung und Anerkennung für ein Hobby, in das jeder Herzblut und Zeit investiert. Gleichfalls ist es eine zusätzliche Motivation.“

(Shortlist-Kandidatin Ilke Sayan, Vlog: BuchGeschichten)

Bei der Vielzahl an Preisen im Literatur- und Buchbranchen-Umfeld ist es nur konsequent, dass es seit diesem Jahr auch „endlich“ einen Preis für Buchblogger gibt. Schließlich sind die Buchblogger seit Jahren ein etablierter Teil der Buchbranche und Literaturkritik. Zudem scheint sich der Name ‚Award’ durchzusetzen, verleiht es dem ganzen doch internationalen Flair, klingt modern – und zum Teil liegt es wohl daran, dass längst nicht (mehr) irgendein Preis(geld) im Vordergrund steht, sondern viel eher die gewonnene Öffentlichkeit, die so ein Wettbewerb mit sich bringt. Denn eigentliche Auszeichnungen sind neben den letztlichen Gewinnern schon die Nominierungen auf der jeweiligen Long- und vor allem der Shortlist. Somit sind alle Gewinner, die an solch einem Award teilnehmen.

 

Der Buchblog-Award wurde also im Rahmen der Frankfurter Buchmesser erstmals verliehen. Dieser kommt mit trendy Hashtag #Bubla17 daher – und unter anderem deswegen war der Preis in Literatur- und Buchbranchenkreisen bereits im Vorfeld der Buchmesse in den Sozialen Medien präsent. Organisiert wurde der Bubla vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und NetGalley, einer Plattform, auf der Verlage digitale Leseexemplare zur Verfügung stellen, um dort u.a. von Bloggern eine Bewertung der Textinhalte zu bekommen. Auf der Longlist befanden sich über 400 Buchblogger, die meisten davon haben tatsächlich einen eigenen Buchblog (und pflegen diesen regelmäßig). Es gibt aber auch noch Vlogger (Buchbesprechungen via Video auf YouTube), Buch-Podcaster und Bookstagrammer (Instagramer mit Buch-Inhalten). Manche rezensieren ihre gelesenen Bücher auch ausschließlich auf Facebook. In der Regel verbreiten die Vielleser ihre Buch-Eindrücke mehr oder weniger zeitgleich, jedoch auf mehreren Kanälen.

 

Diese Unterschiedlichkeiten im Bloggen hatten zur Folge, dass die fünfköpfige Jury – bestehend aus der Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg, der Buchhändlerin und Bloggerin ‚Pinkfisch’ Sarah Reul, der Autorin und Redakteurin Elisabeth Rank, Dirk von Gehlen, dem Leiter Social Media/Innovation bei der Süddeutschen Zeitung, und Frank Krings, seines Zeichens PR-Manager der Frankfurter Buchmesse – zwei Shortlists erstellte.

 

Zum einen gab es die Shortlist für den Hauptpreis für den besten deutschsprachigen Buchblog, zum anderen die Shortlist für den Sonderpreis. Der Sonderpreis wurde für den besten Instagram-Account, Videoblog, Podcast oder die beste Facebook-Seite ausgerufen.

Die jeweils durch Publikums-Voting sieben Nominierten sind hier aufgeführt:

http://www.buchblog-award.de/news/shortlist/

Hier sind sie noch einmal die Jury-Mitglieder sowie die Shortlist-Kandidaten ausführlicher portraitiert:

http://www.buchblog-award.de/news/
(Folgen oder Abonnieren lohnt sich!)

 

 

Die Preisverleihung

 

Die Buchmessen-Veranstaltung am Freitag, dem 13., moderierte Allroundtalent Christiane Frohmann. Nach einer Vorstellung der Shortlist-Kandidaten und starken Statements seitens der Moderatorin und der Jury-Mitglieder zur Gleichberechtigung der Buchblogs im Verhältnis zum Feuilleton, wurden schließlich die Gewinner bekannt gegeben, für die sich die Jury jeweils einstimmig entschied.

Sarah Reul verkündete zunächst den Gewinner des Hauptpreises: Der Kaffeehaussitzer Uwe Kalkowski, und verlas folgende Jury-Begründung: „Der Kaffeehaussitzer ist eine abwechslungsreiche und originelle Stimme für die Literatur. Uwe Kalkowskis Blog zeichnet sich durch seine hohe Identifikation mit dem Thema aus. Seine starken Texte überzeugen sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Sein Engagement für Bücher und deren Vermittlung sowie für den Austausch mit Leserinnen und Lesern sind bemerkenswert.“

Es gab viel zu lachen bei Publikum, Moderatorin und Jury. Christiane Frohmann, Frank Krings, ‚Pinkfisch’ Sarah Reul und Felicitas von Lovenberg (v.l.n.r.).

 

Direkt im Anschluss wurde der Sonderpreis an Florian Valerius alias literarischernerd (Instagram) vergeben. Die Begründung der Jury, von Felicitas von Lovenberg vorgetragen, lautete wie folgt:

„literarischernerd öffnet seinen Besucherinnen und Besuchern ein optisch und inhaltlich besonders ansprechendes Buch-Universum. Instagrammer Florian Valerius überzeugt mit seiner Kreativität bei den Fotos und Bildunterschriften sowie seinem ganz eigenen Zugang zur Literatur. Er wird als Mensch hinter dem Account sichtbar, der andere mit seiner Leidenschaft ansteckt und so wesentlich dazu beiträgt, einen Zugang zu Büchern und dem Lesen zu schaffen.“

 

Beide Gewinner zeigten sich auf der Bühne überaus dankbar, positiv überrascht, waren sich darin einig, dass sie sich über alle freuen, die die Bloggerwelt bunter machen. Sie können sich über jeweils eine Reise für zwei Personen in das Literaturhotel Wedina in Hamburg freuen. Zudem dürfen sie den Deutschen Buchpreis 2018 als Blogger begleiten und erhalten zudem Bücherschecks im Wert von 100 Euro.

Glückwunsch an die beiden, denen der Sieg in Bloggerkreisen durchweg gegönnt wurde!

 

 

Kritische Nachworte: Ein Preis darf nicht spalten

 

Allerdings gab es bei Veröffentlichung der beiden Shortlists ein wenig Unruhe unter den Bloggern, da der Neid-Faktor und Missgunst durchaus bei dem ein oder anderen vorhanden war. Der Award spalte die Bloggerreihen, waren sich viele Teilnehmer einig.

Auslöser waren zum Beispiel ein zum Stimmenfang gedachtes Gewinnspiel einer Teilnehmerin und die eigentliche Ausrichtung mancher Blogs. In der Tat war bei manchem Shortlist-Kandidaten der Anteil des Book-Contents geringfügig. Auch bei manchen Longlist-Nominierten spielen Buchrezensionen eine untergeordnete Rolle, und wenn nur als Teil eines gewissen Lifestyles: Reisen, Gesundheitstipps und ggf. Werbung für andere Produkte, Stichwort „Influencer“. Es muss sichergestellt werden, dass die Qualität der Posts und Blogs gewinnt – und eben nicht diejenigen, die ausschließlich aufgrund einer großen Community die meisten Stimmen erhalten.

 

Gerade mit Hinblick darauf, dass der Wettbewerb nächstes Jahr wiederholt werden soll, ist es mit den gemachten Erfahrungen sinnvoll, die Kategorien und Teilnahmebedingungen zu überdenken bzw. transparenter zu gestalten, auch um weitere Verstimmungen im Vorfeld einzudämmen. Bei den Jurymitgliedern und den Veranstaltern bin ich mir aber sicher, dass sie die nötigen Verbesserungen umsetzen werden.

 

So oder so bleibt es jedoch ein Wettbewerb, der nun mal spaltet, geht es doch immer ein wenig um Ansehen und der möglicherweise erstmaligen Beurteilung der gewählten Präsentationsform. Die Blogger sollten sich bewusst sein – aber dies ist auch der Großteil –, dass sie selbst ihre größten Fans und Leser sind, obgleich natürlich Verlage, Autoren und Journalisten ebenfalls ihre Lieblingsblogger haben. Das Bloggen funktioniert trotz oder gerade wegen der unterschiedlichen Ansichten nur in Gemeinschaft. Denn letztlich haben alle folgende Worte von Charles Nodier, dem französischen Schriftsteller der Romantik, verinnerlicht: „Gleich nach der Lust, Bücher zu besitzen, kommt das Vergnügen, über sie zu reden.“

von Tobias Mohr