Blick hinter die Kulissen – Was macht eigentlich ein … ?

Welche Fähigkeiten braucht man in der Herstellung, wie sieht ein typischer Arbeitstag einer Presseleiterin aus und wie wird man eigentlich Verlegerin? Bei „Blick hinter die Kulissen – Was macht eigentlich ein …?“ standen gleich vier Verlagsmitarbeiterinnen Rede und Antwort und gaben im Gespräch mit Stefan Hauck (Redakteur Ressort Sortiment und Kinder- und Jugendbuch beim Börsenblatt) Einblicke in ihren Werdegang und den (typischen) Berufsalltag einer Presseleiterin, Herstellerin, Vertriebsleiterin und Verlegerin.

Nach ihrer Buchhändlerausbildung studierte Astrid Iffland Buchhandel und hospitierte zeitgleich in diversen Buchhandlungen. Beim Hamburger Verlag Mare war sie für den Auf- und Ausbau des Vertriebs zuständig und machte anschließend als Verkaufs- und Vertriebsleitung Station bei Ravensburger und Suhrkamp. Heute ist sie Vertriebsleiterin beim Piper Verlag. Der Vertrieb ist die Schnittstelle zwischen Innen und Außen, genauer gesagt zwischen Programm, Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Verkauf. „Als Mitarbeiterin im Vertrieb sollte man über Kommunikationsstärke verfügen, Spaß am Reisen und keine Angst vor Zahlen und Excel haben“, sagt sie, denn die meiste Zeit ist sie unterwegs oder in Besprechungen, nicht selten in Feuerwehrfunktion. Noch viel wichtiger ist jedoch die Liebe zum Buch und Programm, denn nur wer gerne und viel liest und vom eigenen Produkt überzeugt ist, kann andere für seine Leidenschaft begeistern und Bücher an die Frau bringen.

Kommunikationsgeschick und Organisationstalent sind auch oberste Voraussetzung für die Mitarbeit in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sagt Susanne Brückner, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei den Ullstein Buchverlagen und für den Imprint Ullstein5 zuständig. Es ist ein abwechslungsreicher Job, bei dem sie nicht nur tagtäglich mit Journalisten und Kollegen in Austausch steht, sondern auch direkt mit den Autoren zusammenarbeitet, sie auf Messen und Preisverleihungen oder bei Interviews begleitet. Manchmal auch zu eher unüblichen Arbeitszeiten oder am Wochenende. Nicht immer muss ein gradliniger Lebenslauf Voraussetzung für eine interessante Stelle im Verlag sein. Nach einer Ausbildung als Verlagskauffrau hat sie 22 Semester studiert und sich an einer Promotion probiert, bevor sie zunächst als Aushilfe, dann als Volontärin und später als Abteilungsleiterin bei den Ullstein Buchverlagen durchstartete.

Wie wird man eigentlich Verlegerin? Bärbel Dorweiler konnte sich schon immer für Bücher und Illustrationen begeistern. Dass sie einmal Verlegerin bei einem der bekanntesten deutschen Kinderbuchverlage werden würde, hätte sie sich jedoch nicht träumen lassen. Nach dem Studium der Germanistik zog es sie es zunächst in die Niederlande und nach New York, ehe sie von 2001 bis 2013, ohne klassische Stationen in der Verlagsbranche, als Verlegerin beim niederländischen Kinderbuchverlag Querido in Amsterdam tätig war. Seit der Zusammenführung von Thienemann und Esslinger im Jahr 2014 ist sie Verlegerin bei Thienemann-Esslinger in Stuttgart. „Verleger sind Generalisten“, sagt sie. Die große Kunst ist es, von jedem Teilbereich genug zu wissen, um Entscheidungen treffen zu können. Sie versucht mit allen Abteilungen in engem Austausch zu stehen und fungiert dabei als Anlauf- und Schlichtungsstelle, während ihre Mitarbeiter als Spezialisten auf ihrem Fachbereich in Aktion treten und ihr bei Entscheidungen beratend zur Seite stehen. Als Verlegerin sollte man Vorgängerin sein, Entscheidungsstärke symbolisieren und braucht Visionen.

„In den vergangenen Jahren habe ich selbst zu den Studierenden gehört, die sich auf dem Karrieretag orientiert haben, in diesem Jahr kann ich berichten, wie vielfältig meine Arbeit als Herstellerin ist und wie ein Berufseinstieg klappen kann“, sagt Hanna Schindehütte, Herstellerin beim Kosmos Verlag. Nach ihrem Mediapublishingstudium hat sie zunächst eine Ausbildung bei der MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) absolviert, ehe sie in der Herstellung bei Kosmos durchstartete. Grundvoraussetzung für die Arbeit in der Herstellung ist Struktur zu haben, sagt sie „denn man darf weder die vielen kleinen Prozesse noch das große Ganze aus den Augen verlieren und darf dabei keine Hemmungen haben, andere Abteilungen an Deadlines zu erinnern. Natürlich gehört ebenso ein gutes Auge, technisches Verständnis und Wissen über sämtlich Materialien zum Job.

Foto und Text: Anika Andreßen