Dennis Schmolk

© Dennis Schmolk

Wir befinden uns im Jahre 2014 n. Chr. Ganz Egmont ist von den Mitarbeitern besetzt… Ganz Egmont? Nein! Ein Trüppchen von unbeugsamen Jungen Verlagsmenschen hat es bis ins Innerste des Verlagsgebäudes geschafft. Oder anders gesagt: Im Herzen der Kölner Innenstadt eroberte sich Anfang Juni die Städtegruppe Köln-Bonn der Jungen Verlagsmenschen (JVM) ein Stück Kindheit zurück. Wo? Bei ihrem Besuch beim Egmont Verlag. Dabei lernten die jungen Verlagsinteressierten zwar Asterix, Donald Duck, Sailor Moon und Co. nicht persönlich kennen, dafür aber ihre Macher – die engagierten Mitarbeiter des Kölner Egmont Verlages.

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© Dennis Schmolk

In einer über zweistündigen Führung durch die verschiedenen Etagen des Verlagsgebäudes tauchten die Jungen Verlagsmenschen in die Comic- und Manga-Welt ab. Verlegerin Alexandra Germann, die für die Bereiche Egmont Manga (EMA), Egmont Comic Collection (ECC) und Egmont Graphic Novel, verantwortlich zeichnet, begrüßte freundlich und aufgeschlossen die „Eindringlinge“ und überreichte allen „Back-to-childhood“-Teilnehmern frühweihnachtliche Buchpräsente in Comic-Form. Im lockeren, für Fragen stets offenen Tischgespräch, erläuterten anschließend die Programmleiter Jonas Blaumann (EMA) und Wolf Stegmaier (ECC) ihre Arbeit bei Egmont, wie sie es vom Praktikanten bis in Redakteurspositionen geschafft hatten und den Stellenwert von Comics und Mangas in der Verlagsbranche. „Mangas sind längst kein Nischenmarkt mehr. Es werden damit ca. 30.000.000 Euro im Jahr umgesetzt“, ließ Jonas Blaumann dabei verlauten.

Beide Programmleiter führten aus: „Während EMA zu den größten Anbietern asiatischer Comics zählt und zudem Werke deutscher Zeichner in sein Portfolio aufgenommen hat, ist die ECC neben ihren Comic-Klassikern (Asterix, Lucky Luke, Disney) auf hochwertige Gesamtausgaben von Highlights der grafischen Literatur spezialisiert.“

Amüsant und zum Schmunzeln brachten die Jungen Verlagsmenschen auch die sound- und fetzwordigen Einwürfe von „Urgestein“ und Editor Bernd Klötzer, der plakativ von seinem und Sailor-Moons rising high zu Zeiten des beginnenden Manga-Booms sprach. „KABUUM! Ich habe es vom Keller-Packer alias „Soutterain-Meister“ bis in den ersten Stock zu „Mr. Sailor Moon“ geschafft“, sagte das „Egmonter-Urgestein“, „dabei konnte ich diese spindeldürren Figuren am Anfang kaum voneinander unterscheiden. Mit der TV-Ausstrahlung 1995 im ZDF ging das Ding (Anm. d. Red.: damit meinte er Sailor Moon), dann ab wie Schnitzel.“

Neben Ausführungen zu Übersetzungen durch zunächst die Japaner, später Studenten der Japanologie und der Zunahme der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern (Grafikdesigner, Lektoren, Letterern) ging es dann im Gespräch noch u.a. um das Thema Trendscouting. Die Frage, die die Jungen Verlagsmenschen dabei umtrieb war: Woher weiß ich, was gerade im Trend liegt und sich gut verkauft? „Wir werden bei der Suche nach Trends meist im Internet oder durch Lizenzempfehlungen fündig“, sagten beide Programm-Macher. Und als kleine Anekdote fügten sie hinzu: „In Japan werden dafür spezielle Magazine auf billigem Papier, ähnlich einem Quelle-Katalog, als Werbematerial produziert. Kurz gesagt: In diesem Land wird mehr Papier für Trendscouting ausgegeben als für Toilettenpapier. Allerdings verwenden die Japaner auch kein Klopapier.“

Über seine Tätigkeit sagte Jonas Blaumann: „Unterm Strich betrachtet ist die Produktion von Mangas Fließbandarbeit und hat wenig mit dem anspruchsvollen literarischen Verlegen an sich zu tun.“ Mangas erscheinen deshalb auch nur in schwarz-weiß und haben einen relativ geringen Endpreis. Trotz der Vorurteile, die sich hartnäckig im Buchhandel gegen Mangas als „Schund aus Sex und Gewalt“ (Stichwort: „Hentai“) und den angeblichen Sklavenbedingungen der Zeichner in Japan halten, gibt es hierzulande ein verstärktes Interesse an digitalen Mangas.

Einen Einblick in den konkreten Herstellungsprozess der Bücher selbst, der hauptsächlich in elektronischer Form abläuft und daher äußerst schlecht sichtbar zu machen ist, erhaschten die Jungen Verlagsmenschen dann ganz am Ende der Veranstaltung. Production Director Johannes Seibt gewährte anhand seiner mitgebrachten „Praktikanten-Schatz-Kiste“ hier einen umfassenden Einblick in den Entstehungsprozess der Werke. „Meist erfolgt die Produktion der Bücher in Reihe. Das senkt die Kosten. Aber es gibt auch besondere Ausstattungsformen wie beispielsweise Veredelung, Plüsch oder bei der Schuber-Herstellung.“, sagte der Herstellungsleiter. Neben der Erläuterung der einzelnen Bestandteile eines Buches zeigte er den Anwesenden auch die aktuellen Programmvorschauen. Diese werden ebenfalls vollautomatisiert produziert. Was lernt der Junge Verlagsmensch hieraus? Wenn er sich nicht wie Troubadix der Barde beim Schlussbankett fühlen möchte tut er gut daran in das Hohe Lied der Digitalisierung der Verlagsbranche mit einzustimmen.

Mareike Rinke (Online-Texterin, Freie Journalistin, Freie Lektorin, Städtegruppenleiterin Junge Verlagsmenschen Köln-Bonn; Kontaktaufnahme bei Fragen zum Artikel oder zur Städtegruppe Köln-Bonn bitte über: http://www.xing.com/profile/Mareike_Rinke oder http://www.facebook.com/mareike.rinke)

Bei weiterführenden Infos oder Fragen zu Egmont bzw. speziell zu EMA und zur ECC wendet Euch bitte an Dennis Schmolk (Portalmanager LYX-Storyboard, Egmont, Städtegruppenleiter Junge Verlagsmenschen Köln-Bonn: http://www.facebook.com/dennis.schmolk) oder schaut auf den entsprechenden Webseiten bzw. den Facebook-Auftritten vorbei: http://www.egmont-comic-collection.de, http://www.manganet.de, https://www.facebook.com/EMA.Verlag.