Auf der Suche nach der jungen Buchmesse

Präsentationsbühne etablierter Verlage und großer Konzerne, alljährlicher Branchentreffpunkt und Umschlagplatz für Lizenzen: Die Frankfurter Buchmesse ist die größte und bedeutendste Buchmesse der Welt mit einer über 60-jährigen Tradition. Doch welche Bedeutung hat sie für junge Verlage und junge Verlagsmitarbeiter? Um das herauszufinden, war Dominique Conrad am Donnerstag als Messereporterin für die Jungen Verlagsmenschen unterwegs.

Wer nach jungen Medien auf der Frankfurter Buchmesse sucht, wird schnell fündig: Während in Halle 4.1 die Hörbuchverlage auf 500 m² ihre Neuheiten vorstellen, wird im Forum Innovation über die Wandlung von Verlagen zu Medienhäusern diskutiert. E-Books sind längst keine Unbekannten mehr und verschiedenste Vorträge widmen sich dem Thema Web 2.0 von Blog bis Twitter.

Die jungen Verlagsmitarbeiter sowie Auszubildende Medienkaufleute und Buchhändler sind nicht so leicht zu entdecken. Ein beliebter Treffpunkt für sie ist das Azubistro in Halle 4.0, das von den Azubis der Schulen des Deutschen Buchhandels (jetzt mediacampus frankfurt) in Seckbach organisiert wird. Neben Kaffee bietet man dem Nachwuchs dort ein kleines Veranstaltungsprogramm. An diesem Messedonnerstag ist das Azubistro schon eine Stunde nach Messebeginn vollbesetzt. Rund zwanzig Teilnehmer des Nachwuchsparlaments auf den Buchtagen Berlin im Juni haben sich zum Nachtreffen mit Brunch eingefunden. Nach der Begrüßung durch Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und die Nachwuchssprecherin Katharina Scholz stellen sich regionale und internationale Nachwuchsnetzwerke, wie die International Society of Young Publishers, vor. Wie spannend Netzwerken ist, zeigt sich bereits an den verschiedenen Teilnehmern des Nachwuchsbrunchs: Dort trifft man die junge Verlagsmitarbeiterin aus Wien, die den Verlagsstand betreut, ebenso wie die seit Kurzem selbstständige Hörbuch-Lektorin. Auch Monika Kolb-Klausch betont im Gespräch die große Bedeutung der Buchmesse für die jungen Verlagsmitarbeiter, die dort Netzwerke aufbauen können. Darüber hinaus biete die Frankfurter Buchmesse einen guten Überblick über den Buchmarkt und die Möglichkeit Orientierung für die eigene berufliche Entwicklung zu finden.

Nur wenige Meter vom Azubistro entfernt, stellen sich Studiengänge rund ums Buch vor, vom Aufbaustudiengang Buchwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München über den Studiengang Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig bis hin zu den Studiengängen der Hochschule der Medien in Stuttgart. Die Studenten nutzen den Buchmessebesuch aber nicht nur, um dem interessierten Branchennachwuchs ihren Studiengang nahezubringen, sondern auch um für ein Praxissemester oder Praktikum Kontakte zu Verlagen zu knüpfen. Die Themen Ausbildung und Berufsperspektiven stehen ebenfalls auf dem Programm des Forums Zukunft und der Bildungswerkstatt, die zum Beispiel das neue Berufsbild Buchhändler oder Einstiegsmöglichkeiten in die Buch- und Medienbranche vorstellt.

Die jungen Verlagsmitarbeiter sind gefunden, fehlen noch die jungen Verlage. Auf dem Weg durch die Halle 3.0 sticht an einem Stand ein Fähnchen „Azubi-Forum“ ins Auge. Was hat es damit auf sich? Eine Nachfrage gibt Aufschluss. Der Verlag hat an Auszubildende Buchhändler Gutscheine verschickt, die sie hier gegen ein kostenloses Buchpaket eintauschen und einem Fachvortrag lauschen können.

Weiter geht es zu den jungen Verlagen. Der Elisabeth Sandmann Verlag ist ein solcher; er wurde vor fünf Jahren gegründet und macht schöne Bücher für kluge Frauen und Bücher für Entdecker. Auf die Frage, warum ein junger Verlag auf die Frankfurter Buchmessen kommen solle, antwortet die Lektorin Eva Römer, dass sich besonders hier die Möglichkeit eröffne, Kontakte zu schließen. Neue Ideen aufzusaugen, sei ein weiterer Grund, so der ebenfalls seit fünf Jahren bestehende Voland & Quist Verlag. dessen Motto „Bücher zum Lesen und Hören“ lautet. Beim Gespräch mit Weissbooks-Verlegerin Anya Schutzbach fällt abermals das Stichwort Netzwerken; der Weissbooks Verlag wurde erst Anfang 2008 gegründet und fällt durch die puristischen, weißen Cover seiner Bücher auf. Noch nicht mit einem Stand auf der Buchmesse vertreten, ist der Anfang dieses Jahres gegründete asphalt & anders Verlag. Dafür präsentiert der Verlag für raue und urbane Literatur am Abend seinen zweiten Titel bei „Film meets Book“, einer Veranstaltung in Zusammenarbeit mit den Jungen Verlagsmenschen. Ebenfalls ohne Stand, aber mit einer Autorenlesung ist der Zaria Prophetia Verlag auf die Buchmesse gekommen, um Leser auf das Programm des jungen Verlages aufmerksam zu machen.

Die Gründe, warum junge Verlage auf die Frankfurter Buchmesse kommen, unterscheiden sich kaum von denen der größeren oder älteren Verlage. Es geht darum, den eigenen Verlag vorzustellen, Ansprechpartner vor Ort zu sein, Lizenzgeschäfte zu tätigen, Lesungen zu veranstalten – und Netzwerke aufzubauen. Auch junge Verlagsmitarbeiter sollten die Buchmesse als Chance nutzen, einen umfassenden Überblick über den Buchmarkt zu gewinnen, um „selbst Teil der Buchbranche zu werden“, wie es ein junger Produktentwickler formuliert.

Von zentraler Bedeutung ist die Frankfurter Buchmesse sowohl bei jungen Verlagen als auch bei jungen Verlagsmitarbeitern als Ort der Begegnung und des Netzwerkens – oder um asphalt & anders-Verleger Nico Schröder zu zitieren: „Junge Verlagsmitarbeiter sollen zur Frankfurter Buchmesse kommen, um andere junge Leute aus der Branche zu treffen.“

 

Dominique Conrad