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Auf den Spuren der Rezension – Die Jungen Verlagsmenschen zu Besuch bei der FAZ

Die FAZ-Druckerei

Die FAZ-Druckerei

Sechs Uhr morgens in Deutschland. Zum Frühstück genießt der Bücherfreund gerne die neuesten Rezensionen. Welches Buch konnte die Kritiker überzeugen? Erst recht der Verlagsmensch ist gespannt. Hat es seine neuste Entdeckung in den Literaturteil der FAZ geschafft? Erfolg und Misserfolg auf dem Buchmarkt hängen schließlich oft auch vom Wohlwollen der bedeutenden Feuilletons ab.

Am 21. Juli machten sich die Jungen Verlagsmenschen in Frankfurt auf den Weg, das unbekannte Universum Literaturredaktion zu erkunden. In den Redaktionsräumen der renommierten Frankfurter Allgemeinen Zeitung informierte uns zunächst ein Film über die Geschichte und Gegenwart der FAZ und FAS.

Gespanntes Zuhören

Gespanntes Zuhören

1949 gegründet, gehört die Frankfurter Zeitung zu den meistgelesenen deutschsprachigen Zeitungen, nicht nur innerhalb Deutschlands. Fünf Herausgeber koordinieren die Inhalte der vier Hauptteile, im Journalistenjargon auch Bücher genannt – Politik, Wirtschaft, Finanzmarkt, Feuilleton. Hinzukommen wechselnde Beilagen: Kunstmarkt, Gesellschaft, Bilder und Zeiten oder Geisteswissenschaften.

Nach der Filmvorführung nahm sich Literaturchefin Felicitas von Lovenberg ausführlich Zeit für unsere zahlreichen Fragen und erzählte vom Alltag einer Literaturredakteurin. Der besteht leider nicht nur aus Buchlektüre und Abfassen von Artikeln, sondern wird zum großen Teil durch organisatorische Aufgaben bestimmt. Artikel müssen ausgewählt, Themen koordiniert werden, der Platz weniger Zeitungsseiten will sorgfältig verteilt sein. Nicht jeder vielversprechende Autor, nicht jedes interessante Thema kann sich unter den zahlreichen Artikelvorschlägen durchsetzen. Dennoch ist es von Lovenbergs Hauptanliegen, nicht nur Leser für ihre Zeitung zu gewinnen, sondern auch für die Buchlektüre zu begeistern. Da ist sie ganz Idealistin. Und sie bestärkt auch uns, trotz sinkender Verkaufszahlen und Literaturverdrossenheit niemals die Begeisterung für das gedruckte Wort zu verlieren.

© Nicola Günther

Und wie kommt jetzt eigentlich die Rezension auf unseren Frühstückstisch? Dieser Frage gingen wir im zweiten Teil unserer Erkundungsreise nach – der Führung durch die Frankfurter Societäts-Druckerei. Sie ist noch vor den Druckereien in Potsdam, München und Madrid der größte der vier Standorte, an dem sich das geschriebene Wort der FAZ-Journalisten materialisiert und vervielfältig. Eine gewaltige Maschine – sechs Meter hoch, fast 160 Meter lang – jagt Papiersäulen mit rasender Geschwindigkeit durch die Druckwalzen. Offset-Druck nennt sich dieses Verfahren. Eine vorher gelaserte Druckplatte drückt die von der Redaktion gesandten Seiten in eine Gummiwalze, die wiederum in Farbe getunkt, Wort und Bild zu Papier bringt.

8.000 bis 10.000 Seiten entstehen so in nur 10 Minuten. Die Seiten werden bedruckt, getrocknet, geschnitten, gefaltet, ineinander gelegt und verpackt. Fast ohne menschliches Einwirken durchlaufen die Seiten einen unüberschaubaren Weg über Walzen und Schneidgeräte, von Fangarmen und Greifzangen kontrolliert, um am Ende als fertige Zeitung ausgespuckt zu werden. Das Fließband führt direkt zum Transporter: Ziel Helsinki, Köln oder New York …

Am Ende, inzwischen ist es halb sieben,  dürfen wir die Zeitung von morgen schon heute in den Händen halten. Und während wir die Rezensionen diesmal beim Abendbrot genießen, verstehen wir nun dank eines lehrreichen Tages, welch interessanten Weg die Gedanken des Rezensenten genommen haben, von der redaktionellen Auswahl, durch die Druckerei bis auf unseren Tisch.

Linda Benkner und Johanna Heinz