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Abendliche Diskussionsrunde mit renommierten Gästen über die Perspektiven in der Berliner Buchbranche

Detlef Bluhm (Börsenverein Deutscher Buchhandel) und Inke Kruse (Junge Verlagsmenschen Berlin)

Die Zukunft der Verlags- und Buchbranche sieht düster aus. Mit dieser Prognose ist schon längst kein Neuland mehr zu entdecken. Auch nicht bei der Veranstaltung „Perspektiven für die Buchbranche in Berlin“, die am 30.08.2011 im „Pfefferberg“ im Prenzlauer Berg stattfand.

Auf Einladung der WeTeK Berlin gGmbH im Rahmen eines ARTWert-Forums (in Kooperation mit den Berliner BücherFrauen) diskutierten renommierte Branchenexperten über Frauenanteil, Karriere-Chancen und Zukunftsmöglichkeiten in der Berliner Buchbranche. Mit auf dem Podium war Inke Kruse von den Jungen Verlagsmenschen Berlin.

Was seit langem augenscheinlich und allgemein vermutet wird, ist nun in der breit angelegten, qualitativen Studie „MehrWert. Arbeiten in der Buchbranche heute“ bestätigt: Die Literaturbranche ist überwiegend weiblich. Unter den Berufseinsteigern sind sieben Mal mehr Frauen zu verzeichnen als Männer. Weiterhin wurde herausgefunden, dass die weibliche Fraktion allerdings im Durchschnitt 28% weniger verdient als ihre männlichen Kollegen. Und wirft man einen Blick in die Führungsebenen, lassen sich nur 4% Mitarbeiterinnen in der Unternehmensleitung finden.

Forum zu den Perspektiven für die Buchbranche in Berlin

Die Berliner BücherFrauen gaben diese Studie in Auftrag, und Valeska Henze stellte sie während des Forums auszugsweise vor. Sie führte neben den nicht ganz so optimistischen Aspekten an, dass immerhin 60% in der Buchbranche zufrieden mit ihrer Arbeitssituation seien. Detlef Bluhm vom Börsenverein Deutscher Buchhandel sah an diesem Abend in der Stadt Berlin sogar eine wachsende Zukunft im Verlagsbereich. Bereits der Umzug von Suhrkamp in die Hauptstadt sowie die Weiterführung des Aufbau-Verlags durch den neuen Eigentümer Matthias Koch böten doch sehr gute Möglichkeiten für alle Beteiligten. Für ihn besaß Berlin sogar das Zeug dazu, in 20 Jahren durchaus zur Verlagsstadt Nummer eins in Deutschland zu avancieren.

Während der Diskussionsrunde, moderiert von Christine Scherer (WeTek Berlin gGmbH), wechselten sich Null-Chancen-Einschätzungen mit einigen vorsichtig optimistischen Perspektiven ab. Diese Wendungen waren wahrscheinlich der recht breit gefächerten Themenweite geschuldet, der in zwei Stunden nicht gerecht werden konnte. So wurde zum einen aus dem Publikum angeregt, eine Honorarverordnung in der Verlagsbranche zu etablieren. Weiterhin wurden die neuen, sich ergebenden Möglichkeiten durch die Digitalisierung thematisiert.

Britta Jürgs (Geschäftsführerin Aviva-Verlag) und Dr. Alexandra Manske (HU Berlin) brachten zum anderen das Phänomen der anwachsenden Solo-Selbständigkeit zur Sprache, die als flexibler angesehen wurde als die starren, hierarchischen Strukturen in den Literatur-Unternehmen. Inke Kruse vom Organisationsteam der Jungen Verlagsmenschen Berlin sah dagegen eher den Trend hin zu werdenden Produkt- und Projektmanagern in diesem Berufszweig, wo sich die Kompetenzen in einer Person bündeln, die über die klassisch aufgeteilten Felder hinausgehen.

Alles in allem war es ein interessanter Abend, an dem eine ganze Menge Fragen thematisiert und angerissen wurden. Zum Glück konnte anschließend noch bei belegten Brötchen und Wein weiter diskutiert werden. (K. Geller)