100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht – und weiter?

Wurde die Gleichstellung von Mann und Frau erreicht? Wie sieht es in anderen Ländern aus? Und welche Ziele strebt der Feminismus an? Im Format Politik trifft Buch wurde das Projekt “100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht – und weiter?” auf der Frankfurter Buchmesse 2017 vorgestellt. Die Herausgeberinnen Isabel Rohner und Rebecca Beerheide sprachen mit Politikerin Elke Ferner über Vergangenheit und Zukunft der Frauenbewegung.

 

Nächstes Jahr feiert das Frauenwahlrecht in Deutschland sein 100-jähriges Jubiläum. Rohner und Beerheide kritisieren, dass viel zu wenige Leute diesen Jahrestag im Blick haben und Politiker, Gewerkschaften und große Institutionen die Aufgabe missachten, das Jubiläum sichtbar zu machen. Diese Unzufriedenheit gipfelte im Entschluss, Artikel und Beiträge von Frauen aus verschiedenen Ländern in einem Buch zusammenzutragen. Zahlreiche Autorinnen aus Wirtschaft, Presse und Politik engagierten sich für das Projekt.

 

„Unsere Hauptmotivation ist, Menschen für die Themen Frauenwahlrecht und Frauenbewegung zu sensibilisieren und motivieren“,

meint Rohner. Es sei immer wieder erschreckend, wie unbekannt die Geschichte des Feminismus ist. Eine Historikerin hat für das Buchprojekt eine Zusammenfassung der Frauenbewegung erstellt. Das Ergebnis: je stärker der Emanzipationswille, desto stärker auch die Opposition. Heutige antifeministische Strömungen haben dieselben Inhalte wie im 19. Jahrhundert, die Gleichstellungspolitik in Deutschland hat unter dem Aufblühen rechter Parteien zu leiden.

 

Elke Ferner verweist darauf, dass in Europa und den USA noch längst keine Gleichberechtigung besteht. Polen gefährdet mit dem Entwurf eines Abtreibungsverbots die sexuelle Selbstbestimmung, Trump streicht die Entwicklungshilfe für Familienplanung.

„Trotz Frauenwahlrecht gibt es noch keine strukturelle Gleichberechtigung. Es herrscht finanzielle und soziale Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt und in der Familie.“,

erklärt sie. Die Aufgabe der Politik bestehe darin, Rahmenbedingungen für eine gesellschaftliche Parität zu schaffen.

 

Die drei Rednerinnen sind sich einig: Frauen dürfen nicht aufhören, den Mund aufzumachen, Stellung auf politischer und individueller Ebene zu beziehen und im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten einen Beitrag zur Gleichberechtigung zu leisten.

 

Leonie Pürmayr